Autor & Journalist

Monat: Juni 2017

Der WDR hat sein eigenes kleines Antisemitismusproblem

Als vor einigen Jahren der amerikanisch-israelische Theatermann Tuvia Tenenbom für sein Buch über Antisemitismus in Deutschland recherchierte, gab es noch die sog. “Kölner Klagemauer”, eine antiisraelische Ausstellung unter freiem Himmel, verantwortet von einem Mann namens Walter Herrmann.

Die Blamage des WDR

Es gibt so einiges, was im öffentlich-rechtlichen Fernsehen läuft, das nicht den allerhöchsten Standards entspricht und selbst ernste Themen werden zuweilen flapsig abgehandelt, man denke hier nur an die Reportage “Europas Muslime”: Gespräche hier und dort, hauptsächlich in Deutschland und Frankreich, dazu ein paar Expertenmeinungen und etwas Hintergrundwissen, fertig!

Von Denkern und Institutionen

Schon 400 Jahre vor Adam Smith hat, man höre und staune, ein anderer in einem anderen Winkel der Welt ganz ähnliche Ideen entwickelt. Das dürfte in der Menschheitsgeschichte einige Male vorgekommen sein, dass nämlich ein Denker mit einer Theorie berühmt wird, die vielleicht schon ein anderer vor ihm aufgestellt hat, von dem er aber nichts wusste und noch nicht einmal wissen konnte.

Eine Geschichte wird daraus auch nur, weil dieser andere Denker, der da 400 Jahre vor dem Schotten Adam Smith ähnliche Ausführungen gemacht haben soll, ein Araber war, und zwar keine randständige Figur, sondern der grosse Ibn Khaldun.

Ob das so stimmt oder nicht, ist dabei nicht das entscheidende. Was viele Verteidiger der arabisch-islamischen Kultur völlig verkennen, ist die Tatsache, dass es eine Sache ist, eine Idee zu entwickeln, eine völlig andere aber, ob und gegebenenfalls wie diese Idee zur gesellschaftlichen Umgestaltung führt.

Arabisch-islamische Denker, Forscher und Philosophen haben enorme intellektuelle Leistungen vollbracht – entfaltet haben sich ihre Theorien oft aber erst in Europa. Der Graeco-Arabist Gotthard Strohmaier hat zu recht kritisiert, dass die politischen und sozialen Konstellationen bei der Verbreitung intellektueller Leistungen von Apologeten der arabisch-islamischen Kultur gerne ausser acht gelassen werden.1

Als vor hundert Jahren der deutsch-österreichische Jurist Georg Jellink in seinem Abriss über die Entstehung der Menschen- und Bürgerrechte letztere auf die Amerikanische Revolution zurückzuführte, hielt man ihm entgegen, dass die zugrundeliegenden Ideen doch viel älter seien und bis auf die Antike zurückgingen. Jellinek hat dazu im Vorwort der zweiten Auflage seines Buches wie folgt Stellung genommen:2

„Die Literatur für sich ist niemals produktiv, wenn sie nicht in den historischen und sozialen Verhältnissen einen für ihre Wirkungen vorbereiteten Boden findet. Wenn man den literarischen Ursprung einer Idee aufweist, hat man damit keineswegs auch die Geschichte ihrer praktischen Bedeutung erkannt. Die Geschichte der Politik ist heute noch viel zu viel Literaturgeschichte, viel zu wenig Geschichte der Institutionen selbst. Die Zahl neuer politischer Ideen ist sehr gering, die meisten sind, im Keime wenigstens, bereits der antiken Staatslehre bekannt gewesen. Die Institutionen aber sind in steter Veränderung begriffen und wollen überall in ihrer eigentümlichen geschichtlichen Ausgestaltung begriffen werden.‟

Nicht allein auf die Denker kommt es an, sondern wir müssen, wenn wir die unterschiedlichen Entwicklungspfade des Westens und der Islamischen Welt (oder Teilen der Islamischen Welt) verstehen wollen, zur Kenntnis nehmen, dass Ideen an einem Ort zu einer Zeit auf fruchtbaren Boden gefallen sein mögen, an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit aber nicht. Die Ursachen dafür zu ergründen, nennt man Forschung. Alles andere ist blosse Heldenverehrung.

  1.   Gotthard Strohmaier, „Was Europa dem Islam verdankt‟, in: ders., Hellas im Islam, Interdisziplinäre Studien zur Ikonographie, Wissenschaft und Religionsgeschichte, Wiesbaden 2003, 1-27, hier 25-6.
  2.   Georg Jellinek, Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, München und Leipzig 1919, S. 41-2.

Brunnen oder Wasser?

Anlässlich der WDR-Diskussion über eine folgenschwere Dokumentation: Hat der palästinensische Präsident Abbas davon gesprochen, israelische Rabbiner riefen zur Vergiftung palästinensischer “Brunnen” auf oder hat er von palästinensischem “Wasser” gesprochen?

Der Faktencheck ergibt: Abbas hat tatsächlich von “Wasser” gesprochen, so wird er jedenfalls von arabischen Medien zitiert, z.B. hier, wo auch vermeldet wird, dass Abbas sich für seine Äusserung entschuldigt haben soll.

Für die Dokumentation ist das dennoch nicht relevant, denn es geht nicht um Abbas, sondern um EU-Parlamentarier, die eine Rede beklatschen, in der ein uraltes antisemitisches Klischee bedient wird.

Google Maps kennt keine Zitadelle von Aleppo mehr

Die Zitadelle ist – neben der Umayadenmoschee – die Hauptattraktion von Aleppo und so lag es nahe, einige Bilder für Google Maps beizusteuern.

Doch mittlerweile ist die Zitadelle ebendort nicht mehr zu finden. Was ist passiert?

Man findet sie zwar noch in der Ansicht, aber nicht mehr über die Suchanfrage und zwar weder auf Deutsch noch auf Englisch. Auf Englisch wird man auf das Carlton Hotel verwiesen, das am Haupteingang der Zitadelle liegt oder vielmehr: lag, denn es wurde bei den Kämpfen dem Erdboden gleichgemacht.

Auf Arabisch zeigt Google Maps immerhin die Ringstrasse um die Zitadelle an. Aber mehr auch nicht.

Das bedarf einer Erklärung. Zwar ist die Zitadelle von den Kriegshandlungen schwer in Mitleidenschaft genommen worden, aber sie wurde nicht in einem wörtlichen Sinne von der Karte radiert.

Auch das völlig zerstörte Dar Zamaria, ein Hotel, in dem ich 2010 eine zeitlang wohnte, bevor ich mir im benachbarten Stadtviertel eine Wohnung nahm, ist immer noch bei Google Maps über die Suchfunktion zu finden.

Komplett ausradiert ist auch die einst am Fusse der Zitadelle gelegene Sultaniyye-Moschee, die aber nach wie vor über die Suchfunktion gefunden werden kann, ebenso wie die stark beschädigte Umayyaden-Moschee.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass meine Bilder von der Zitadelle immer noch bei Google Maps vorhanden sind – doch nunmehr aber als “unbekannter Ort” getaggt. Für andere von mir aufgenommene Motive in Syrien gilt das nicht.

Bild: Michael Kreutz

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