Am Dienstag und Mittwoch fand in der Staatskanzlei Mainz die VI. Fachtagung “Islamisten und Rechtsextremisten” statt, die nicht öffentlich, aber mit ca. 200 Gästen gut besucht war. Veranstalter waren das LKA Rheinland-Pfalz und das BAMF.

Dass der Linksextremismus ausgespart wurde, war durchaus Gegenstand der Kritik. Allgemein waren die Vorträge und Debatten im grossen und ganzen kaum ideologisch geprägt – anders als an den Universitäten, wo mit dem Postkolonialismus unermüdlich gegen Eurozentrismus und Neoliberalismus gekämpft wird, bis man am Ende bei kulturrelativistischen Positionen angelangt ist, denen die Muslimbrüder oder das iranische Regime als Verbündete erscheinen.

Da die Tagung, wie gesagt, keine öffentliche war, halte ich mich mit Details zurück (das Programm freilich ist kein Geheimnis; Link s.o.), verweise aber jetzt schon einmal darauf, dass es einen Tagungsband geben soll, was sich für eine Veranstaltung dieser Grössenordnung auch gehört.

An dieser Stelle soll nur eine Begebenheit festgehalten werden: Es gab nämlich auch einen öffentlichen Teil in Form einer Podiumsdiskussion, die ausserhalb der Staatskanzlei stattfand. Was die Teilnehmer betrifft, hatte es kurzfristig eine Umbesetzung gegeben und so fand eine Journalisten namens Susanne Kaiser den Weg aufs Podium.

Susanne Kaiser? Den Namen hatte ich doch schon einmal gehört. Ich erinnerte mich: Das ist die Verfasserin eines Textes auf “Spiegel Online”, in dem sie behauptet, dass der Islam keine Aufklärung nötig habe, weil diese historisch auch für Rassenlehre und den Holocaust verantwortlich sei. Ganz so plump haben Adorno und Horkheimer, auf die sich die Autorin bezog, zwar nicht argumentiert – aber sei’s drum.

Letztlich diente der Verweis auf Rassenlehre und den Holocaust nämlich nur dazu, die Aufklärung als ganze zu diskreditieren, anstatt ihn differenziert zu beurteilen. Auch was Frau Kaiser sonst schreibt, geht in diese Richtung. In einem Anfang des Jahres erschienenen Beitrag für die “Zeit” stellt sie aktuelle Entwicklungen in Iran die Ereignisse ganz aus der Sicht der Reformer dar.

Zugegeben, ähnliche Ansichten habe ich auch einmal vertreten, aber zu meiner Entschuldigung muss ich sagen: Da war ich Anfang zwanzig und im ersten Semester. Welche Entschuldigung hat Frau Kaiser?

Ich für meinen Teil habe an der Podiumsdiskussion nicht mehr teilgenommen und mich stattdessen in die Spa Zone meines Hotels begeben, wo es ein ganz brauchbares Fitnesscenter gibt. Wie ich später erfahren habe, sind Frau Kaisers Ansichten vom Publikum nicht gut aufgenommen worden.

(Überarbeitet am 17.06.2018)