Der CDU-Politiker und Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Jens Spahn, regt sich im Interview mit der “Osnabrücker Zeitung” darüber auf, dass in manchen Lokalen Berlins die Bedienung kein Deutsch, nur Englisch spreche, und fügt hinzu: “Auf so eine Schnapsidee käme in Paris sicher niemand.”

Dazu eine kleine Geschichte aus Paris, wo ich 2011 zu Forschungszwecken weilte. Heute auf den Tag genau vor sechs Jahren, am 14. August 2011, sass ich in einem kleinen Restaurant, das kaschgarische Küche anbot. Die Kaschgaren sind ein muslimisches Volk im Westen Chinas und da ich auf kulinarischem Gebiet gerne Neues ausprobiere, hatte mich der Laden magnetisch angezogen.

Der Laden war klein und ohne den üblichen Folklorebombast so vieler asiatischer Restaurants. Die Einrichtung war nichtssagend. Ich war der einzige Gast. Der Kellner sprach kein Französisch, jedenfalls nicht mehr als einige Brocken und ebenso wenig Englisch (!). Offenbar verkehrten dort nur Landsleute. Dennoch schaffte ich es, eine Bestellung aufzugeben.

Zuerst gab mit der Kellner radebrechend zu verstehen, dass kein Mineralwasser mehr zu haben sei (!). Der an dessen Stelle gebrachte Ayran kam in einem Plastikbecher mit deutscher Aufschrift, hergestellt von einer Firma in Krefeld. Sein Verfallsdatum schien um zwei Jahre überschritten.

Dann wurden Vor- und Hauptspeise zusammen geliefert. Das Essen – ein klein wenig Ente mit einem Berg Reis gespickt mit einigen Rosinen, dazu ein paar Schnitzer Karotte, sowie eine Suppe mit weissen Nudeln (die Vorspeise!), gereicht mit etwas Brot – war von einem kulinarischen Erlebnis weit entfernt.

Zu Beginn und zwischendurch wurde heisser Tee gereicht. Ich fragte nach einer scharfen Sosse. Der Bitte wurde entsprochen: Man brachte mir eine Art Petrischale mit einem kleinen Rinnsal roter Substanz. Als ich nach Bezahlen der Rechnung aufstand, fragte mich der Kellner, wo ich herkomme.

“France? France?” (Er zeigte dabei auf mich. Offenbar hatte man in diesem Laden noch keinen französischen Gast gesehen.)

“Je suis allemand!” entgegnete ich.

“Aah, you Almanya?” Sein Gesicht hellte sich auf. Das schien ihm zu gefallen. Er lachte: “You Almanya!” (Damit hatte er noch weniger gerechnet als mit einem Franzosen.)

“Yes, I Almanya” bestätigte ich. (So ging auch noch mein Englisch kaputt.)

Er war sichtlich erfreut. Zum Abschied fragt er mich „bien?“ und mehrmals „good, good?“ und machte dabei immer wieder eine Verbeugung, wobei er unaufhörlich lächelte.

„Très bien, very good“ sagte ich zum Abschied.

Draussen fragte ich mich, ob das wirklich real war. Für einen Augenblick schien es mir, als ob ein Lichtstrahl vom Himmel fiel und das Restaurant auf den Planeten zurückbeamte, von dem es sich hierher verirrt hatte.

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