Wenn ein Fussballer wie Mesut Özil zum Objekt von Rassismus wird, ist das scharf zu verurteilen. Hier kann er voll und ganz auf meine Solidarität zählen. Was jedoch den ganzen Rest seiner aktuellen Stellungnahme angeht, die er anlässlich der sich zuspitzenden Kontroverse um seinen Besuch beim türkischen Präsidenten Erdogan abgegeben hat, so vermag sie nicht zu überzeugen.

Özil beklagt sich allen Ernstes darüber, dass seine Kollegen Lukas Podolski und Miroslav Klose von den deutschen Medien nie als “Deutschpolen” bezeichnet würden, er jedoch unentwegt der “Deutschtürke” sei. Dies zeigt aber nur, dass Özil jeden Bezug zur Realität verloren hat, denn er selbst vermeidet jeden Eindruck, er könnte etwas anderes als ein Bildungsinländer sein:

Er singt bei internationalen Fussballturnieren nie die deutsche Nationalhymne mit, macht dem türkischen Präsidenten Erdogan seine Aufwartung und zeigt Reportern seine Privatwohnung, die lauter osmanische Motive aufweist. Von sich selbst sagt er, in ihm schlage ein deutsches und ein türkisches Herz.

In einer liberalen Demokratie, wie Deutschland eine ist, kann man all das machen und wenn Özil die Nationalhymne nicht singen will, ist das sein gutes Recht. Dafür, wie er lebt und wie er sich verhält, sollte er nicht gescholten oder gar beschimpft werden.

Aber wenn jemand wie Özil seine türkische Identität in die Öffentlichkeit trägt, darf er nicht erwarten, als Nur-Deutscher wahrgenommen zu werden. Sein eigenes Verhalten und sein eigenes Auftreten senden beständig Signale an die Öffentlichkeit, ein Teil der türkische Community und damit selbst ein Deutschtürke zu sein.

Einmal abgesehen davon, dass der Begriff “Deutschtürke” nicht ehrenrührig ist, kann Özil sich irrwitzigerweise aber nicht vorstellen, dass etwas anderes als Xenophobie und antimuslimische Ressentiments der Grund sein könnten, warum er nicht als blosser Deutscher wahrgenommen wird.

Was seine Kollegen Miroslav Klose und Lukas Podolski anbetrifft, die er beide namentlich erwähnt, so betreiben sie keine solche Selbstdarstellung in Bezug auf ihre Herkunft, wie Özil das tut. Es sollte auch kein Problem sein, wenn Podolski oder Klose sich als Deutschpolen fühlten und sich stolz zu ihrer polnischen Herkunft bekennten. Aber dann würden auch sie anders wahrgenommen als dies der Fall ist.

Noch einmal: Das Problem ist nicht, dass Özil seine türkische Identität offen darstellt oder dass er eine Einladung des türkischen Präsidenten angenommen hat oder dass er seine Wohnung mit Bildern aus der osmanisch-türkischen Geschichte schmückt – all dies ist gar nicht der Rede wert und rechtfertigt keinen Skandal –, sondern die Tatsache, dass er all dies tut und dennoch darauf beharrt, als blosser Deutscher, nicht als Deutschtürke wahrgenommen zu werden.

Hier stilisiert sich jemand über die rassistischen Beschimpfungen und Beleidigungen hinaus, die übel genug sind und selbstverständlich von allen und jedem verurteilt werden sollten, zum Über-Opfer und quer durch die Medienlandschaft hat er damit Erfolg. Es ist einfach zu absurd.

 

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