In den Klassen der Mu’taziliten, einem Werk aus dem 9. Jahrhundert, heisst es über Ibn ar-Rāwandī, dass er, nachdem er die Führerschaft über die Schia angestrebt, jedoch nicht erlangte hatte, vom Islam abfiel und Atheist wurde:

وكان يضع هذه الكتب للالحاد وصنّف لليهود والنصارى والثنوية واهل التعطيل، قيل وصنّف الامامة الرافضة واخذ منهم ثلاثين ديناراً، ولما ظهر منه ما ظهر قامت المعتزلة في امره واستعانوا بالسلطان على قتله فهرب ولجأ الى يهودي في الكوفة، فقيل مات في بيته.[note]Aḥmad Ibn Yaḥyā Ibn al-Murtaḍā, Die Klassen der Mu’taziliten, hrsg. von Susanna Diwald-Wilzer, Wiesbaden 1961, § 8: 92.[/note]

Die Mu’tazila, Verfechter der rationalen Schule, wandten sich danach an die Obrigkeit mit der Bitte, ihn hinzurichten, doch konnte er fliehen und fand Asyl bei einem Juden in Kufa, in dessen Haus er schliesslich starb.

Zweierlei fällt hieran auf:
1.) Dass die als so fortschrittlich gerühmte Mu’tazila einen Dissidenten denunziert haben soll, um ihn hinrichten zu lassen.

2.) Dass als Asylgeber einfach “ein Jude” benannt wird. Damit entsteht beim Leser der Eindruck, dass, wer dem Islam Schaden zufügt, quasi eine natürliche Nähe zum Judentum hat.


 

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