Ich praktiziere Wing Tsun nicht nur seit fast neun Jahren, sondern bemühe mich auch um ein reflektiertes Verständnis. Darum bin ich dankbar, dass es einen Videokanal wie LONG aus Österreich gibt, dessen Betreiber ein reflektiertes Verständnis dieser chinesischen Kampfkunst zu vermitteln sucht.

Allerdings ist die Behauptung einer zunehmenden Verengung und Entfernung des Wing Tsun von seinen Ursprüngen doch etwas simpel geraten und wird der Wirklichkeit nicht gerecht. Konkret macht der Kanalbetreiber dem verstorbenen Kampfkünstler Keith R. Kernspecht diesen Vorwurf.

Kernspecht ist Gründer der EWTO, der Europäischen Wing Tsun Organisation. Ich selbst bin dort Mitglied, aber kein Kernspecht-Jünger, sondern offen für Kritik, sofern sie sachlich ist. Leider wird im Netz viel Unsinn über Kernspecht und die EWTO behauptet. Auch in diesem Fall stimmen die Fakten nicht.

Denn Kernspecht hat sich ab einem gewissen Punkt vom Zentrallinien-Wing Tsun aus Hongkong abgewandt und stattdessen das sog. „Vier-Ecken-Wing Tsun“ aus China favorisiert. Er hat also eine Fehlentwicklung zugunsten eines älteren Standards korrigiert. Das Wing Tsun hat sich auch unter Kernspecht eben nicht immer weiter von seinem Ursprung entfernt.