Die Idee des britischen Premiers Boris Johnson, die Universitäten seines Landes einer Aufsicht zu unterstellen, die die Freiheit der Rede gewährleisten soll, ist putzig und wer glaubt, Deutschland sollte dem britischen Beispiel folgen, der dürfte, falls dies Wirklichkeit werden sollte, bald eines Besseren belehrt werden. Natürlich sind die Universitäten, genauer: die Geisteswissenschaften, ein Milieu, in dem die Intoleranz grassiert, woran auch die Tatsache nichts ändert, dass einige Professoren sich dem Mainstream verweigern, sind diese Professoren doch an ihrer Alma Mater mehr oder weniger isoliert.

Die Idee ist deshalb so witzig, weil sie von der falschen Annahme ausgeht, eine sogenannte “Cancel Culture” sei das Problem, das bekämpft werden müsse, also die vermeintlich verbreitete Unsitte, einmal eingeladene Akademiker, die sich noch dem wissenschaftlichen Ethos verpflichtet fühlen und nicht dem Postkolonialismus und anderen Schnurrpfeifereien angeschmiegt haben, alsbald wieder ausgeladen würden, sobald sich ihre ideologische Unzuverläsigkeit herumgespruchen habe. In Wahrheit reicht das Problem tiefer, denn solche Leute werden in der Regel gar nicht erst eingeladen und wer nicht eingeladen wird, den braucht man auch nicht auszuladen, braucht ihn nicht zu “canceln”.

Der Ruf nach der Politik ist daher reichlich phantasielos, zumal es Hoffnung gibt und die kommt meistens aus einer Richtung, aus der man sie nicht erwartet: Man kann das System austricksen. Wer eine Karriere in den Geisteswissenschaften anstrebt, dem bleibt noch immer die Möglichkeit, mit den Wölfen zu heulen und sich zumindest solange nicht gegen den vermeintlich progressiven, im tiefsten Grunde aber autoritären Mainstream entgegenzustellen, wie er nicht fest im Sattel sitzt, sprich: verbeamtet ist. Wer die Spielregeln ändern will, ist besser beraten, sich erst in eine Position zu begeben, aus der heraus er sie auch ändern kann.