Das jüdische Pessach-Fest wird auch „Fest der Freiheit“ (chag he-cherut) genannt und das ist keine blosse Abstraktion aus der geschichtlichen Erzählung heraus, der Sklaverei in Ägypten entkommen zu sein: Es ist vielmehr eine konkret erlebbare Erfahrung, die das Ritual festhält und zu dem neben dem Weingenuss noch etwas anderes gehört.

Denn mit dem Weinbecher in der Hand gilt es, auf einer weichen Unterlage eine ostentativ bequeme Haltung einzunehmen. Beide, Weingenuss und bequemes Sitzen, waren in der Antike das Vorrecht der Freien und damit den Sklaven verboten. Das Erlebnis nicht nur der kollektiven, sondern auch der individuellen Freiheit wird auf diese Weise immer wieder neu in die Gegenwart hineingeholt. Religion kann so fortschrittlich sein. – Chag pessach sameach!