Osten trifft Westen

Kategorie: Ideengeschichte

Wird der Nationalstaat noch gebraucht?

Im Zeitalter der Globalisierung wird der Nationalstaat langsam überflüsig, glauben manche, die auch gleich die liberale Demokratie und die freie Marktwirtschaft über Bord werfen möchten, um dann etwas zu errichten, was irgendwo zwischen Anarchismus und Weltregierung angesiedelt ist, wobei noch nicht klar ist, ob auch der Rest der Welt mitmachen möchte und, falls nicht, ob man ihn dann zwingen muss oder noch ein wenig abwartet. Der Glaube jedenfalls, dass, wer den Nationalstaat verteidigt, am Ende beim Faschismus landet, ist so populär wie unsinnig.

Liberal ist nicht gleich liberal

Kerngedanke des Liberalismus ist die Freiheit des Individuums. Diese Freiheit redet nicht einer Atomisierung der Gesellschaft das Wort, im Gegenteil: Indem wir unsere eigenen Interessen verfolgen, tragen wir zum allgemeinen Wohl bei. Das geht nur über die Zusammenarbeit. Der Philosoph Remi Brague hat darauf hingewiesen, dass sich diese Idee schon bei Spinoza und Bernard Mandeville findet. Aber wir leben in verwirrten Zeiten.

Politischer Islam (3)

„The political future of Germany is largely dependent on her attitude towards Islam.“ (Mohammed Iqbal in einem Brief an Martin Hartmann, 1910)

Zu den Irrtümern der Debatte um einen politischen Islam gehört, dass es nur irgendwie darum gehen müsse, der dschihadistischen Gewalt Herr zu werden und man dafür nur die entsprechenden Passagen des Koran historisch zu lesen brauche. Aber das Problem sitzt tiefer und besteht in einem Mangel an individueller Freiheit, der in den muslimischen Gesellschaften herrscht. Die Unterdrückung individueller Lebensentwürfe führt dann mitunter zur Radikalisierung und Phänomenen wie dem politischen Islam.

Politischer Islam (2)

“Das ‘prophetische Nein’ ist exklusiv (…) und was immer dieser absoluten Wahrheit entgegensteht, ist gefährlich, verboten, sündig und muß, wie der Muslim sagen würde, ‘mit dem Schwert des lāʾ’ abgeschnitten werden.” (Annemarie Schimmel, 1995)

Politischer Islam ist ein unscharfer Begriff. Wenn wir einmal annehmen, dass damit der Islamismus gemeint ist, dann lässt er sich definieren als die Idee, dass Islam und das islamische Recht eine zentrale Rolle im politischen Leben spielen sollen. Damit ist er gegen eine Trennung von Religion und Staat gerichtet und macht, wie es der amerikanische Fachmann Shadi Hamid (2016) formuliert, den Islam “zu einer politischen Theologie der Authentizität und des Widerstandes gegenüber dem Konglomerat aus Säkularismus, Kolonialismus und Authoritarismus.”

Politischer Islam (1)

„Der Islam, die Regierung und das Volk sind wie das Zelt, die Stange, die Schnüre und die Pflöcke.‟ (Kaʿb ibn al-Aḥbār, überliefert von Ibn Qutaiba, 828-889)

Hatten Islam-Apologeten lange Zeit insistiert, es sei nur ein westliches Vorurteil und die islamische Geschichte nach dem Tode des Propheten sei faktisch säkular gewesen, Staat und Religion getrennt. Das ist die eine Linie der Islam-Apologetik: Alle Errungenschaften, die sich Europa auf die Fahnen schreibt, müssen auch im Islam vorhanden sein und wer das nicht akzeptieren will, ist islamophob.

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