Die Linkspartei-Politikerin Sahra Wagenknecht glaubt, dass die Rettungsmassnahmen Griechenland nichts als Elend gebracht hätten, dieses also nicht etwa durch eigene Regierungen selbst verschuldet ist. Finanzielle Hilfen soll es nur ohne Auflagen geben, weswegen sie fordert:
“Griechenland darf nicht mitmachen”, sagt Wagenknecht in Hinblick auf die von der EU oktroyierten Maßnahmen, von denen die Zahlung der nächsten Rettungs-Tranche in Höhe von 11,5 Milliarden Euro Mitte Juni abhängt. “Die Steuerzahler bluten am Ende dafür.”
Die Steuerzahler sitzen aber noch ganz woanders, z.B. in der Slowakei, einem der ärmsten Mitglieder der Eurozone, das jedoch wirtschaftlich Anlass zu Optimismus gibt. Während Griechenland, das als einziges Land Osteuropas vom kommunistischen Joch verschont geblieben war, seinen Startvorteil nie zu nutzen gewusst hat, kann die Slowakei seit dem Niedergang des Kommunismus echte Erfolge vorweisen.
Die Ansiedlung von Automobilindustrie hat das Land verhältnismässig wohlhabend und unabhängig gemacht und sogar dazu geführt, dass in der Slowakei heute Fachkräftemangel herrscht. Richard Sulik, Vorsitzender der liberalen Partei der Slowakei, erklärt, dass sich die griechische Misere aus Sicht seines Landes denn auch ganz anders darstellt:
Griechenland hat in der Zwischenzeit von der Europäischen Gemeinschaft (…) mehrere Hundert Milliarden Euro bekommen, und wie man sieht, es führt zu gar nichts. Die haben da irgendwo in der Provinz Autobahnen gebaut, über die heute keiner fährt, die haben so viel Geld bekommen, und jetzt, es reicht denen immer noch nicht, und die Slowakei ist das ärmste Land der Eurozone, und jetzt sollen wir zahlen, damit die Griechen zum Beispiel ihre überhöhten Renten behalten können. Das ist das, was mich ärgert.
Dass sich daran nichts ändert – dafür kämpft Sahra Wagenknecht.
