Von Martin Riexinger
Nieder mit Israel” hörte es der “Milliyet“-Kolumnist Kadri Gürsel letztlich aus einem Propagandawagen dröhnen. Mit dem Gefährt waren die Wahlkampfhelfer von Akif Şişmanoğlu unterwegs, der sich für die AKP um das Amt des Bezirksbürgermeisters von Sarıyer bewirbt. Nicht zu unrecht, meint Gürsel, das Auftreten seines Chefs haben den Kandidaten ermutigt, mit solchen Tönen auf Stimmenfang zu gehen.
Diese Politik habe aber nicht allein das Verhältnis zu den Juden im Lande vergiftet, sondern dazu beigetragen, dass “wir noch mittelöstlicher sind”. Die Auffassung, man könne Hamas zu rationalem Handeln bewegen und aus dem Bündnis mit Iran und Syrien herausbrechen, sei utopisch gewesen:
Ministerpräsident Erdoğan und sein Chefberater Ahmet Davutoğlu halten die Wahlurne, für eine Waschmaschine, die alles reinigt, weswegen sie sich zusammenfantasiert haben, Hamas sei durch “Wahlen legitimiert worden… Die Hamas hat die Wahlen aber nicht gewonnen, indem sie wie die AKP sagte “Wir haben uns geändert”… Indem die Palästinenser sie gewählt haben, haben sie sich für die Gewalt ausgesprochen; Sie erkannte die mit Israel abgeschlossenen Friedensabkommen nicht an; Sie verteidigte die Vernichtung Israels.
Seinen großen diplomatischen Erfolg, die Vermittlung zwischen Israel und Syrien habe Erdoğan so zunichte gemacht, während sich Ägypten als Vermittler profilieren konnte. Auf das aus der Haltung Erdoğans erwachsene Prestige der Türkei gibt Gürsel nichts:
Erdoğan-Poster mögen jetzt zusammen mit solchen von Despoten, die ihren Radikalismus mit Öleinkünften finanzieren durch die Straßen des Mittleren Ostens getragen werden. Ich kann aber darauf im Namen dieses Landes nicht stolz sein[1].
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Nachtrag 23.1.2009
Ähnlich heute Amberin Zaman in “Taraf“, allerdings mit Betonung auf der zunehmenden Intoleranz.
