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Islam

Zigabenos und der Jihad aus byzantinischer Sicht

Endlich gibt es eine deutsche Übersetzung von Zigabenos!“Rüstkammer” der christlichen Argumente. Der byzantinische Mönch Zigabenos spielt eine wichtige Rolle in der frühen Rezeption des Jihad, über den er scharf urteilte, er sei das “mörderische Vorhaben eines mörderischen Propheten eines mörderischen Volkes”.

Jetzt hat der Gräzist Karl Förstel eine Neuedition samt deutscher Übersetzung der Texte Zigabenos’ angefertigt.[1] Aus der Pressemeldung der Ruhr-Universität Bochum:

Drei wichtige Texte der griechisch-byzantinischen Welt, darunter erstmals die Fragmente der griechischen Koranübersetzung, bietet der aktuelle Band der Reihe “Corpus Islamo-Christianum”. In der Reihe werden seit fast 25 Jahren am Seminar für Klassische Philologie der Ruhr-Universität Quellentexte zur Auseinandersetzung zwischen Christentum und Islam im Mittelalter in zweisprachigen kommentierten Ausgaben herausgebracht. Zum Jubiläum erscheint die Reihe in neuer Aufmachung im Harrassowitz-Verlag, Herausgeber ist Prof. Dr. Reinhold Glei.

Der letzte Brief vor dem Beginn eines Krieges

Der erste Text ist der Brief, den der Theologe Arethas, seit dem Jahr 902 Erzbischof von Caesarea in Kappadokien, etwa im Jahr 921 im Auftrag des byzantinischen Kaisers Romanos an den Emir von Damaskus schrieb. Er antwortet auf ein Schreiben des Emirs, in dem die Verfehltheit der christlichen Lehre und die Überlegenheit des Islams in mehreren Punkten dargelegt wurden. Schreiben mit solchem Inhalt wurden, oft verbunden mit der Aufforderung, den Islam anzunehmen, an nicht-muslimische Herrscher geschickt, bevor man mit Kriegshandlungen begann. Im Gegenzug verteidigt Arethas in seinem Brief die christlichen Dogmen und kritisiert Lehren des Islams im ironischen Ton (vermeintlicher) kultureller Überlegenheit.

“Rüstkammer” der christlichen Argumente

In einer ganz anderen historischen Situation, als Kleinasien teils in der Gewalt muslimischer Machthaber, teils ein ständiger Kampfplatz war, was einen echten Dialog zwischen den Religionen erschwerte, verfasste der Mönch Euthymios Zigabenos, ebenfalls im Auftrag des byzantinischen Kaisers (Alexios), um das Jahr 1110 eine Sammlung von theologischen Argumenten gegen alle Arten von Ungläubigen und nannte sie etwas martialisch “Dogmatische Rüstkammer”. Hier werden im 28. Kapitel auch die “Sarrazenen” (d.h. Muslime) und zahlreiche Lehren des Islams angegriffen, die freilich oftmals verzerrt wiedergegeben werden. Euthymios war nicht originell, sondern sammelte fleißig die Argumente seiner Vorgänger, um sie zu einem schlagkräftigen “Waffenarsenal” zusammenzustellen.

Die erste Übersetzung: Quelle vieler Missverständnisse

Ob es überhaupt eine byzantinische Koranübersetzung gegeben hat, war in der Forschung lange umstritten, bis es 1981 von Erich Trapp überzeugend nachgewiesen wurde. Die Fragmente dieser Übersetzung sind hier erstmals gesammelt herausgegeben und erklärt worden. Man erkennt deutlich, dass viele bei späteren Autoren wiederkehrende Vorwürfe gegen den Islam auch auf Missverständnissen und Fehlleistungen dieser Übersetzung beruhen. Trotzdem kann diese Übersetzung als ein Meilenstein im Dialog der Religionen gelten, da sie vielfach eine erste Auseinandersetzung mit dem Islam überhaupt erst ermöglicht hat.

Die polemische Auseinandersetzung mit dem Islam durch Johannes von Damaskus und seinen Schüler Abu Qurra war im 9. Jhd. durch Niketas noch zugespitzt worden. Dessen Argumente, dass der Islam nicht einfach eine Häresie sei, sondern eine eigenständige Religion, die es zu bekämpfen gelte, wurden von Zigabenos in seinen Panoplia aufgegriffen und später vor dem Hintergrund einer veränderten politischen Situation gegen die Türken gewendet (Klein 2005: 150-1, s. dazu Gauß 1963: 14-28 und Altaner 1936: 229-30).

Für das Verständnis christlich-islamischer Begegnung im Mittelalter ist das von grossem Interesse, entsprechend verdienstvoll eine solche Edition!

  1. Schriften zum Islam von Arethas und Euthymios Zigabenos und Fragmente der griechischen Koranübersetzung. Griechisch-deutsche Textausgabe von Karl Förstel (Corpus Islamo-Christianum, ed. Reinhold F. Glei, Series Graeca 7)

Literatur

PG 130.1333 B; vgl. Kazhdan/ Epstein 1990: 186.

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