Zwischen dem Schock angesichts der mehr als neunzig Todesopfer einerseits und der Erleichterung andererseits, dass es keine radikalen Muslime waren, die mit dem Doppelanschlag eine antiislamische Stimmung hätten anheizen können, scheint irgendwie die Frage ausser Blick geraten zu sein, warum ein rechtsextremer Muslim- und Migrantenhasser sich ausgerechnet Jugendliche eines Sommercamps auf Utøya zum Ziel gewählt hat.
Ist das nicht merkwürdig? Aus der Sicht des Attentäters wäre es doch naheliegender gewesen, sich muslimische bzw. ausländische Ziele zu suchen. Die deutschen Medien – sofern ich nichts übersehen habe – haben sich offenbar kaum mit dieser Frage beschäftigt. Umso erfreulicher ist es, dass die New York Times es geschafft hat, Licht ins Dunkel zu bringen:
Organized by the youth wing of the ruling Labor Party, the camp has become a kind of multicultural incubator in recent years. Many of the victims in Friday’s shooting were the children of immigrants from Africa and Asia who have begun to stake out a greater role for themselves in Norwegian society.
Khamshajiny Gunaratnam, 23, a camp member, was born in Sri Lanka and moved to Norway when she was 3. She is dark-skinned, wears a nose stud and speaks both Norwegian and English in seemingly native accents.
She described a Norway that was increasingly divided along class and ethnic lines, and said there was a growing hostility toward people who were not ethnically Norwegian, even those born in the country.
Dass ein “multicultural incubator” als Ziel gewählt wurde, ist insofern von Bedeutung, als es auf eine rationale Vorgehensweise des Täters schliessen lässt und damit auf dessen volle Schuldfähigkeit. (Quelle)
