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Gesellschaft

Theater im Theater

Von Stefanie Galla

Frank-Patrick Steckel, ehemaliger Intendant des Bochumer Schauspielhauses, empörte sich in einem offenen Brief an die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz, dass Ackermann eine „stockreaktionäre hochverderbliche Person“ sei, die er als Intendant nie auf die Bochumer Bühne gelassen hätte und auch nicht den „ebenfalls mehr als zweifelhaften Herrn Stoiber“.

Hintergrund von Steckels Äußerungen ist eine von „Herausforderung Zukunft“ geplante Veranstaltung, auf der Dr. Josef Ackermann und Dr. Edmund Stoiber miteinander über die internationalen Finanzmärkte diskutieren wollten.

Steckel hatte zudem das Bochumer Schauspielensemble aufgefordert, „mit einem klaren Votum gegen diesen Auftritt zu protestieren“ und stieß damit auf Resonanz. Aufgrund der Reaktionen sagte Ackermann seinen Auftritt ab.

Wurde Ackermann auch in Anders B. Breivik Manifest zitiert? Nein, er ist schuldig, weil er der scheidende Vorstandsvorsitzende der erfolgreichsten deutschen Bank ist. Es ist sein Vergehen, dass er höchst erfolgreich einen Job ausübte, der für Kapitalismus steht.

Dies reicht bestimmten Gruppen, um ihm sein Menschen- und Bürgerrecht auf freie und öffentliche Meinungsäußerung und den Gästen der Veranstaltung das Recht auf freie Informationsbeschaffung abzusprechen.

Es scheint so durchsichtig, dass es diesen Protestlern darum geht, unliebsame Auffassungen zu unterbinden. Man sollte annehmen, diese stehen am Rande der Gesellschaft ob ihres totalitären Verhaltens. Ein Blick in die Zeitungen ergibt leider, dem ist nicht so. Das Untersagen von Meinungen ist anscheinend ein legitimes politisches Mittel geworden.

Henryk M. Broder und Co sollen sich nämlich auch nicht mehr äußern dürfen bzw. nur noch eingeschränkt. Deren Vergehen ist es, für eine freiheitliche Gesellschaft zu stehen, in der jeder sagen darf, was er denkt, ohne danach um sein Leben oder auch nur seine Gesundheit fürchten zu müssen.

Sie stehen für eine Gesellschaft, in der Frauen nicht aus pseudoreligiösen Gründen ihre Menschenrechte verwehrt werden und man sie nicht daran hindert, ein Leben zu führen, wie sie es sich wünschen, in der Männer offen andere Männer lieben dürfen, ohne damit rechnen zu müssen, deshalb an einem Baukran erhängt zu werden.

Sie wollen eine Gesellschaft, in der Kinder sich frei entwickeln können und nicht durch pseudoreligiöse Zwänge an ihrer Entfaltung gehindert werden, in der die Menschen unterschiedlichster Kulturen und Religionen friedlich miteinander leben und von einander lernen und Moslems so viele Moscheen bauen können, wie sie wollen, mit so hohen Minaretten, wie sie wünschen.

All das hasst Breivik so sehr, dass er 76 Menschen kaltblütig ermordete. Dennoch wird allen voran Broder nun vorgeworfen, er sei als geistiger Brandstifter für diese Tat mitverantwortlich. Das ist ebenso durchsichtig wie die Sache mit Ackermann. Es geht nicht um die Freiheit der Menschen, es geht darum, dem politischen Gegner die Meinung zu verbieten.

Es geht auch nicht um Muslime, denn diese wollen mehrheitlich auch eine freiheitliche Demokratie hier und nicht ein totalitäres islamistisches Regime. Und eben der Islamismus ist es, den Broder angreift; die totalitäre politische Ideologie. Das sollen Broder und Co nun unterlassen und ihre Texte unter Rücksicht auf Rechtspopulisten verfassen.

Breivik wird sich ob dieser Reaktionen ins Fäustchen lachen. Ich hoffe, Broder und Co machen jetzt nicht den Ackermann, der sich ein solches „Theater“ nicht antuen will, sondern bleiben weiter engagiert und streitbar.

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