Das säkulare Bildungssystem muss sich ändern”, findet Mahmud Ahmadi-Nejad vor einer Gruppe regimetreuer Studenten, denn 150 Jahre seien genug.[1] Seitdem nämlich sei das Bildungssystem unter den Einfluss säkularer und hochmütiger (estekbārī) Gedanken geraten. Ahmadi-Nejad fordert die Studenten auf, gegen “liberale und wirtschaftsliberale Ideen” aufzustehen. Wenn ein liberaler Hochschullehrer mit dem Gedankengut seiner Schüler nicht konform sei, dann gebe er diesen schlechtere Noten, glaubt er.
Vielleicht spricht Ahmadi-Nejad aus eigener Erfahrung. Beobachter befürchten eine Zweite Kulturrevolution, bei der es bei Worten nicht bleibt. Schon unter Khomeini hiess “Islamisierung” der Universitäten die Entfernung unliebsamer Professoren. Im vergangenen Semester war zum ersten Mal das Direktorium einer nach westlichem Vorbild gegründeten Universität durch ein Theologengremium ersetzt worden.
Die pessimistischen Vorhersagen über den politischen Kurs Ahmadi-Nejads haben sich alle nach und nach erfüllt (s. weiterführende Links).
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[1] 1851 hatte Mirza Taqi Khan, genannt Amir Kabir, Reichskanzler unter Naser-od-Din Schah und iranischer Reformer, die Akademie der Wissenschaften (Dār-ol-Fonūn) nach westlichem Vorbild gegründet.
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Siehe auch:
• Am Vorabend der Ära Ahmadi-Nejad, 21. Juli 2005,
• Greater Iranian Middle East, 10. September 2005,