Ein Soziologe verwechselt Universalismus mit Äquidistanz.
Schlagwort: Soziologie
Eine iranische Demokratie
Ein Kommentar in der „Welt“ wiederkäut all die Argumente, die der Verfasser in einem anderen Kommentar gelesen hat, dessen Verfasser sich wiederum bei einem Historiker bedient, dessen Befunde zur iranischen Gesellschaft er selektiv zitiert. Ein tiefverwurzelter orientalischer Despotismus wäre demnach der Grund, warum Ansätze einer Demokratie scheitern müssen.
Spielt die Herkunft eine Rolle?
In Deutschland fangen gesellschaftliche Debatten nach zwanzig Jahren wieder bei Null an. Aktuell sieht man das am Fall der Ausschreitungen, wie sie zum Jahreswechsel in Berlin stattgefunden haben. Der ausserordentlich hohe Anteil von jungen Leuten mit Migrationshintergrund ist bemerkenswert. Was nun?
Z – Ein Regime sucht sein Imperium
Vladimir Putin vergleicht sich seit neuestem mit Peter dem Grossen, was hierzulande manchen Spott hervorrief. Vor einiger Zeit war in einem rechtskonservativen Medium sogar zu lesen, die Haltung des Westens gegenüber Russland im Krieg gegen die Ukraine bedeute, die über Jahrhunderte erfolgte russische Annäherung an Europa seit Peter dem Grossen zunichte zu machen. Doch das mit der Annäherung ist so eine Sache.
Europas Freiheit
Das Phänomen der sozialen Kontrolle in muslimischen Gesellschaften ist vielfach beschrieben worden, vor allem von Fatima Mernissi, aber auch von Ahmet Toprak, Lamya Kaddor, Ahmad Mansour und anderen. Soziale Kontrolle gibt es zwar überall, in muslimischen Gesellschaften ist sie aber besonders hoch. Alle vom Soziologen Ahmet Toprak befragten Männer (Das schwache Geschlecht, Freiburg i. Br. …
Wie rassistisch ist Deutschland?
Von Immanuel Kant stammt der Satz „Die Menschen arbeiten sich von selbst nach und nach aus der Rohigkeit heraus, wenn man nur nicht absichtlich künstelt, um sie darin zu erhalten.“ Haben wir die Rohigkeit überwunden? Der Fussballer Mesut Özil, der wegen seiner türkischen Herkunft oft angefeindet wird, würde das wohl verneinen. In der Tat sind rassistische Beleidigungen nicht akzeptabel und sollten von jedem, unabhängig davon, wie er zu Özil steht, verurteilt werden. Dabei ist es nur ein schwacher Trost, dass jeder, der im Licht der Öffentlichkeit steht, mit Anfeindungen und Schmähungen aller Art rechnen muss.
Religionssoziologie auf Abwegen
Max Weber wollte verstehen, warum unterschiedliche Zivilisationen unterschiedliche Entwicklungspfade eingeschlagen haben und warum das, was wir „Moderne‟ nennen, eine Erfindung des Abendlandes ist. Einer der zentralen Begriffe in diesem Zusammenhang ist der der „Entzauberung‟, den der Soziologe Hans Joas in seinem Buch Die Macht des Heiligen einer gründlichen Kritik unterzieht. Darin will Joas einerseits den Weberschen Ansatz überwinden, Weber andererseits neu deuten.
Die in der Forschung vertretene Vermutung, dass Modernisierung mit einem Bedeutungsverlust von Religion in der Gesellschaft einhergehe (Säkularisierungsthese), ist in jüngerer Zeit infrage gestellt worden und seitdem Gegenstand einer interdisziplinären Kontroverse. Die Schwierigkeit liegt darin, dass religiöse Handlung als solche nicht immer leicht zu identifizieren ist, weil schon das Wesen von Religion umstritten ist.
Mag der Fortschrittsgedanke auch weithin akzeptiert sein, so wird er doch herausgefordert durch das Postulat von einer „multiplen Moderne‟, das beinahe selbst mythische Qualitäten besitzt, indem es sich der Frage verweigert, was die Moderne von anderen Epochen unterscheidet und was sich mit ihr geändert haben soll. Es ist vielmehr ein Apotropaion, ein Abwehrzauber, der in der Beschwörung unterschiedlicher „styles of modernism‟ (Stephen Toulmin) einer vermeintlichen Gleichmacherei der Kulturen durch den Weltmarkt Einhalt gebieten soll.
Fraglos ist es eine Schande, dass Flüchtlingsheime in Deutschland massenhaft abgefackelt werden – mehr als einhundert allein im vergangenen Jahr. Ist Deutschland rassistischer, der Rechtsextremismus mehrheitsfähig geworden? Eine Studie der Uni Leipzig versucht dies zu beantworten und das erste Fazit hat es in sich.
