Ein Islamwissenschaftler kommt mit den Ereignissen in Iran nicht recht klar.
Schlagwort: Orientalistik & Islamwissenschaft
Ohne Ansehen der Person sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Forschungarbeiten ihrer Kollegen berücksichtigen, sofern sie für die eigene Forschung relevant und zugänglich sind. Das ist das wissenschaftliche Ethos, also das Selbstverständnis all derer, die in der Wissenschaft tätig sind, in einen Satz gefasst. Doch im Zeitalter der Dekolonisierung sieht die Wirklichkeit anders aus – mit Konsequenzen für die Politik.
Die Zukunft Syriens
Syriens neuer Machthaber Ahmed al-Sharaa entstammt bekanntlich einer islamistischen, terroristischen Organisation, die al-Qaida nahestand, weswegen sein politischer Kurs, der auf Ausgleich und Stabilität zielt, von vielen innerhalb und ausserhalb des Landes mit Argwohn beäugt wird. Ist vielleicht alles nur Taktik?
Von der Öffentlichkeit wenig beachtet, melden auch die Universitäten sich zum Massaker der Hamas am 7. Oktober zu Wort. Mehr und mehr Hochschulen sehen sich veranlasst, Stellung zu beziehen, wobei die Hamas durchweg als Täterin benannt und Israel die Solidarität ausgesprochen wird. Das ist eine gute und ermutigende Nachricht. Aber es gibt auch Ernüchterung.
Die Öffentlich-Rechtlichen nehmen für sich in Anspruch, unabdingbar im Kampf gegen Desinformation und Fake News zu sein, und das sind sie auch, soweit es Desinformation und Fake News von rechts betrifft. Sie sind hingegen eine offene Flanke, wenn der gleiche Irrsinn aus entgegengesetzter Richtung kommt.
Im Internet kann man bombastische Webpräsenzen von Leuten finden, die Islamwissenschaften oder Orientalistik studiert, aber noch keinen einzigen Fachaufsatz, keine einzige Rezension und kein einziges Buch, geschweige denn eine Doktorarbeit publiziert haben, sich aber erfolgreich als Referenten für den Nahen Osten anbieten, um ihr Halbwissen unter die Leute zu bringen.
Die Geschichte lehrt uns, dass Schrecken und Zivlisation oft eng beieinander liegen, wofür der Abbasidenkalif Harun ar-Raschid (gest. 809) ein prächtiges Beispiel abgibt, der nicht nur die Gelehrsamkeit am Hofe förderte und dem Handel Aufschwung verlieh, sondern auch die Dynastie der Barmakiden, die seine Amtsgeschäfte führten, umbringen liess, als sie im zu mächtig wurden. Oder man denke an den spanischen Humanisten Don Antonio del Corro (gest. 1556), der ein grosser Bücherfreund war, aber in seinem Hauptberuf als Inquisitor ebenso Menschen peinigte und zu Tode folterte.
Linke Kumpanei mit dem Islamismus muss ein Mythos sein.
Wenn es um Fussball oder den Nahen Osten geht, wimmelt Deutschland von Experten. Eine Gruppe von sechzehn Akademikern mit Doktortitel, denen die Redaktion der «Zeit» ehrfurchtsvoll attribuiert, «führende Experten für die Region» zu sein (damit auch ein wenig akademischer Glanz auf das eigene Haus fällt), hat nun in einer Stellungnahme Bedenken gegen die Verurteilung der BDS-Bewegung durch den Bundestag geäussert – so verdruckst, wie nur führende Experten das können.
Abgründe der Islamwissenschaft
Zweifellos wird am deutschen und überhaupt westlichen Universitäten immer noch Spitzenforschung in Bezug auf den Islam getrieben und gibt es noch immer viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in jahrelanger Kleinarbeit Quellen erschliessen und das Wissen der Menschheit über noch die abwegigsten Aspekte der islamischen Zivilisation um einige Mosaiksteine bereichern.
