Was ist eigentlich von einer Diktatur wie der iranischen zu halten? Ist sie gut, ist sie schlecht? Wenn einer wie der Nahost-Reisende Jürgen Todenhöfer, statt verstehen zu wollen, lieber auf den Basar geht, dann klingt die Antwort so:
Am 16. April, jenem Tag, an dem Netanjahu den Iran als “weltgrößten Terrorstaat” bezeichnete, landete ich zu meiner vierten Iran-Reise in Teheran. Begleitet von meinem Sohn Frédéric. Ihm erging es wie den meisten westlichen Iran-Reisenden. Nach zwei Tagen rieb er sich nur noch die Augen. Der einzige “Extremismus”, dem wir begegneten, war die extreme Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft aller Iraner, die wir trafen. Ihre Liebenswürdigkeit war fast beschämend. Dieses Land des Lächelns sollte der Welt finsterster Terrorstaat sein?
Hatte man bis dahin geglaubt, dass seit Locke, Pufendorf, Paine, Diderot usw. es zu den unhintergehbaren Errungenschaften der Aufklärung gehört, zwischen Gesellschaft und Regierung, zwischen Bevölkerung und Staatsmacht zu unterscheiden,[1], so wird man wieder einmal eines Besseren belehrt. Denn tatsächlich können historische Errungenschaften auch wieder verlorengehen.
[1] Andreas Heyer, Materialien zum politischen Denken Diderots. Eine Werksmonographie, Schriften zur Rechts- und Staatsphilosophie, Bd. 4, Hamburg 2004, 421-3. ⇧
