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✒️ Scharfe Schoten – die Glosse

Qualitätssicherung minus Qualität

Ein Erfurter Politikwissenschaftler holt zum grossen Rundumschlag gegen die Allianz der Islamophoben aus.

In seinem Buch “Freiheit, Gleichheit und Intoleranz” (2013) wirft der Kai Hafez dem Philosophen Peter Sloterdijk, dem Historiker Hans-Ulrich Wehler, dem Schriftsteller Ralph Giordano und dem Journalisten Henryk Broder vor, Muslimen Grundrechte wie die Religionsfreiheit verweigern zu wollen und Muslime pauschal als Verfassungsfeinde zu bezeichnen. (S. 259)

Hafez, der andere dafür kritisiert, ohne Faktengrundlage zu argumentieren oder über einen Mangel an Expertise zu verfügen, nennt keinerlei Beleg für seine Behauptung. Man muss die Positionen von Sloterdijk, Wehler, Giordano und Broder zum Thema Islam nicht teilen, um zu verstehen, dass man niemandem etwas vorwerfen sollte, ohne es zu belegen, zumal man bezweifeln darf, dass sich die genannten Personen den Vorwurf zu eigen machen.

Muslimen Grundrechte vorenthalten zu wollen oder sie pauschal als Verfassungsfeinde zu bezeichnen, wäre in der Tat eine Ungeheuerlichkeit. Die Beweislast für den Vorwurf liegt freilich bei dem, der diese Behauptung aufgestellt hat, bei Kai Hafez also, dem “Qualitätssicherung durch eine akademische Gemeinschaft” (S. 256) ein Anliegen ist, für sich selbst aber offenbar andere Regeln in Anspruch nimmt.

Von Michael Kreutz

Dr. phil., Orientalist, Neogräzist, Politikanalyst, Buchautor und Journalist.

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