Ein Novum in der Islamischen Republik: Die iranische Zeitung Etemad hat es gewagt, eine Karikatur des Präsidenten Ahmadi-Nejad zu veröffentlichen. Auch wenn die Darstellung an Harmlosigkeit nicht zu überbieten ist, so war dieses Ereignis der in London erscheinenden “Kayhan“, dem wichtigsten persischsprachigen Organ der iranischen Opposition im Ausland, eine Meldung auf der Titelseite wert.
Bislang hat es solche Karikaturen von Ahmadi-Nejads Vorgängern im Amt nicht gegeben. Weiterhin undenkbar sind Karikaturen von Khamenei, dem geistlichen Führer und wahren Herrscher über das System.
Die Zeitung Etemad steht dem Reformer (und damit Unterstützer des Systems) Mehdi Karrubi nahe, der auch im Wahlkampf gegen Ahmadi-Nejad angetreten war und nach seiner Niederlage behauptet hatte, die Wahl sei manipuliert gewesen.
Jedenfalls darf man nicht daraus schliessen, dass etwa im Land ein politischer Frühling angebrochen wäre. Das Gegenteil ist der Fall, wie die Aufregung um eine Karikatur beweist.
