Die heutige FAZ bringt einen kritischen Artikel (nicht online) über den Wohlfühlislam des akademischen Dialgbetriebes – und das auch noch aus der Feder eines Islamwissenschaftlers.1 Darin fordert Hans-Thomas Tillschneider von der Uni Bayreuth zunächst, dass der Islam „sich von allen politisch-rechtlichen Ansprüchen trennen“ müsse.
Sodann müsse er sich gründlich säkularisieren, entpolitisieren und von Teilen des islamischen Rechts lossagen, so Tillschneider, der kräfitig gegen den Münsteraner Euro-Islam-Verfechter Muhannad Khorchide vom Leder zieht, in dessen Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ er nicht einmal „Spuren eines profilierten theologischen Denkens“ erkennen könne.
Tillschneider wirft Khorchide nicht nur vor, den Islam einfach nach seinem Geschmack umzudefinieren, sondern sieht das ganze als symptomatisch an: Es sei ein „Armutszeugnis für die Islamdebatte, dass die Kritik an Khorchides Absichten breit verhandelt wurde, er aber für das, wofür er alle Kritik verdient hätte, nämlich für die Dürftigkeit seines Entwurfs, keinerlei Kritik erfahren hat.“
Dann wird noch ein bisschen auf die Islamverbände eingedroschen und das ganze mit einem Seufzer beendet, insofern als kaum Hoffnung bestehe, dass die an deutschen Universitäten neu etablierte islamische Theologie wohl jemals erwachsen werde. Ein mutiger Artikel, der nicht nur Freunde finden dürfte.
[Wiederhergestellt]
- Hans-Thomas Tillschneider: Fragwürdiges Plädoyer für eine infantile Theologie, FAZ vom 7. Juni 2013, Nr 129, Seite 7. ↩︎
