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Sprache und Öffentlichkeit

Der Sprung des Papiertigers gen Westen

Viel ist es ja nicht, was da aus dem Chinesischen ins Deutsche gewandert ist, umso interessanter sind die Wege der Wanderung. Manche Wörter nämlich fanden erst über den Umweg einer anderen Sprache zu uns, wie ein Blogbeitrag des «Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache» zeigt.

So fand die «Dschunke» über das Malaiische gen Westen, der «Tofu» über das Japanische. Auch das Wort «Bonze» kam über das Japanische; im Chinesischen wird es fán sēng (凡僧) ausgesprochen und meinte ursprünglich einen fremdländischen Mönch.

Der «Papiertiger» (chin. 纸老虎 zhǐ lǎo hǔ) ist eine Lehnübersetzung aus dem Chinesischen; der Trinkspruch «Chin Chin» wiederum ist tatsächlich so chinesisch wie er klingt. Es stammt von dem chinesischen Wort für «Bitte!» – 请 qǐng. Wer hätte es gedacht?

Der «Tee» im «Tanztee» geht tatsächlich auf das chinesische Wort für «Tee» zurück, obwohl er im Chinesischen (茶 chá) allein für das Getränk verwendet wird. Der «Tanztee» kam über das Französische (thé dansant – tanzender Tee) zu uns und ist heute völlig veraltet.

Die Zahl der chinesischen Wörter im Deutschen mutet bislang recht mickrig an. Der technologische Fortschritt Chinas, sein gesteigertes Selbstbewusstsein und wachsender Einfluss in der internationalen Kulturproduktion werden sich umso mehr in der deutschen Sprache niederschlagen.

Von Michael Kreutz

Dr. phil., Orientalist, Neogräzist, Politikanalyst, Buchautor und Journalist.

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