Nun schlägt sie wieder, die Stunde sogenannter Nahostexperten, die mit einem «offenen Brief» an die Bundesregierung in die Öffentlichkeit drängen. Anlass sind natürlich nicht die Gemetzel in Syrien und dem Irak – Anlass ist Gaza. Der auf Äquidistanz geeichte Duktus des «offenen Briefes» lässt tief blicken.
«Gewalt, die sich gegen Zivilisten richtet, ist weder von militanten palästinensischen Gruppen noch von Seiten Israels zulässig» heisst es dort, als ob die «Experten» nicht sehr genau wüssten, dass nur eine der beiden Kriegsparteien vorsätzlich zivile Ziele angreift. Denn wo Äquidistanz draufsteht, ist meist antiisraelisches Ressentiment drin.
Dass die «destruktive Blockade des Gazastreifens» aufgehoben werden soll, ist eine durchaus vernünftige Forderung. Noch vernünftiger wäre es allerdings zu fragen, warum es diese Blockade überhaupt gibt. Zur Erinnerung: Israel hat den Gazastreifen im Jahre 2005 komplett geräumt, zur Blockade kam es drei Jahre später. Dazwischen muss etwas geschehen sein, was vielleicht einer Analyse wert wäre.
Aber unter einer Blockade leidet offenbar auch der Wille der Verfasser des Briefes, nach den Ursachen des gegenwärtigen Konfliktes zu fragen. Dass die Hamas einer Ideologie folgt, die ein dauerhaftes Arrangement mit Israel gar nicht zulässt und sie selbst dieser Tage erst mit dem Besitz von Raketen prahlte, die bis ins «besetzte Haifa» reichen, bringt die Verfasser keineswegs zum Nachdenken.
Stattdessen werden «Perspektiven» für die Zukunft der «überwiegend jungen Menschen im Gazastreifen» gefordert, ohne mit einem Wort darauf einzugehen, dass Gaza nach dem israelischen Abzug 2005 jede Menge Perspektiven hatte und ohne zu fragen, welche Gründe im Spiel waren, dass diese Perspektiven flötengingen. Was dieser Brief zum Ausdruck bringt, ist denn auch nur eine Verweigerung von Analyse.
Am Ende landen sie da, wo solche Leute immer landen: Bei allerlei Forderungen an die israelische Adresse. Dafür soll der jüdische Staat mit einem Frieden mit der Hamas belohnt werden – vorausgesetzt, dass diese einen «dauerhaften Waffenstillstand einhält und auf terroristische Mittel verzichtet».
Ja, so könnte es was werden mit dem Frieden. Man merkt: Hier sind ausgefuchste Experten am Werk. Wie man den moralischen Bankrott dieser Briefschreiber abwendet, dafür hat allerdings noch niemand ein Rezept gefunden.
Nachtrag 22. August 2014
Jetzt hat sich auch der Präsident der DIG, Reinhold Robbe, mit deutlicher Kritik am offenen Brief zu Wort gemeldet.
