Eine iranische Drohne kostet dreissig- bis vierzigtausend Dollar, eine amerikanische Patriot-Rakete drei bis vier Millionen. Die USA unter Präsident Donald Trump haben im März-Krieg gegen Iran dessen Drohnen mit hundertmal teureren Raketen abgeschossen, bevor sie einen Waffenstillstand ausriefen und jetzt nach einem Deal streben, der kaum besser sein wird als der alte JCPOA.
Präsident Donald J. Trump ist Amerikas grösste Schwäche. Er ist nicht nur ein schwacher Präsident, sondern ein schwächender: Er schwächt die NATO, schwächt den Westen, schwächt die Weltwirtschaft, schwächt die Demokratie zuhause und schwächt die Sicherheit befreundeter Länder, vor allem der Ukraine und Taiwans. Im Nahen Osten hat Trump nichts erreicht, nur die eigenen Raketenarsenale geleert.
Stimmen aus Iran haben vor dem Krieg die Befürchtung der Bevölkerung überliefert, dass das Bombardement zu früh stoppen und ein geschwächtes Regime umso härter im Inneren durchgreifen könnte. Nicht der Krieg gegen das Regime war für die Bevölkerung ein Problem, sondern ein Krieg, der seine Ziele nicht erreicht. An diesem Punkt befinden wir uns nun.
Die Drohungen von Trump gen Teheran haben schon längst jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Wie oft hat Trump seinen Gegnern harte Schläge angedroht und sie unter einem Vorwand dann doch nicht ausgeführt. Der März-Krieg war die grosse Ausnahme und das gilt nicht nur für den Umgang mit Iran, sondern auch für Terrorgruppen wie der Hamas.
Die Hamas solle die Waffen abgeben, sonst breche die Hölle über sie herein, tönte Trump vergangenes Jahr, doch seither ist die Hölle kalt geblieben. Trump steht zunehmend als Schaumschläger da – als jemand, der seine Schwäche durch starke Worte lediglich zu kaschieren sucht. Auch, dass die Islamische Republik die Strasse von Hormuz kontrolliert, ist ein Debakel.
Die vergessene Lehre von 1987
Sicher, Bundeskanzler Friedrich Merz hätte das keinesfalls so offen aussprechen dürfen, verschafft er damit doch dem iranischen Regime einen Propagandaerfolg: Wenn selbst enge Verbündete wie Deutschland der USA bescheinigen, keine Strategie zu verfolgen und von der Islamischen Republik gedemütigt worden zu sein, dann ist das für die Machthaber in Teheran ein Triumph.
Doch der Sache nach hat Merz fraglos recht. Wie kann es überhaupt sein, dass das Mullahregime die Strasse von Hormuz kontrolliert, obwohl doch deren Marine von der US-Marine versenkt wurde? An die Schnellboote hat man nicht gedacht und dabei hätte man aus den 1980ern lernen können, als die USA das Regime schon einmal fatal unterschätzt haben.
Damals, 1987, waren amerikanische Geheimdienste zu dem Schluss gekommen, dass die iranische Seeminentechnik nur schwach entwickelt sei, doch sollte sich das als vollkommen falsch herausstellen, wie der Militärhistoriker David Crist in seinem Buch «The Twilight War» (2012) notiert. Da war das Mullahregime noch nicht einmal zehn Jahre an der Macht.
Mittlerweile hat es so weit dazugelernt, dass es schon vergangenes Jahr die im Zwölf-Tage-Krieg erlittenen Verluste rasch ausgeglichen, die Finanzströme für die Hisbollah verdoppelt und es sogar geschafft hat, Syrien auch nach dem Fall von Assad für den Waffenschmuggel nutzbar zu machen, wie der israelische Sicherheitsfachmann Tamir Hayman resümiert.
Dass Trump sowohl der Ukraine als auch Taiwan seine klare Unterstützung versagt, müssen die Hegemonialmächte Russland und China wiederum als Einladung verstanden wissen, ihre kleineren Nachbarn zu schlucken. Wären hingegen die Ukraine als auch Taiwan zu amerikanischen Stellvertretern erklärt worden, hätte das den lokalen Imperialismus in die Schranken verwiesen.
Trump jedoch hat sich entschlossen, auch illegitime aussenpolitische Ambitionen autoritärer Staaten durch einen Deal zu belohnen. Jetzt soll ein Deal mit dem Mullahregime dieses davon abhalten, Atomwaffen zu erlangen, ohne dass noch von dessen Unterstützung für diverse Terrororganisationen in der Region (Hisbollah etc.) die Rede ist – ein Desaster für den Westen.
Die Zukunft der Asien-Pazifik-Region
Wenn irgendwo auf der Welt Krieg geführt wird, streuen Kommentatoren gerne Zitate des Preussen Claus von Clausewitz oder des Chinesen Sunzi (Sun Tsu) ein und so abgedroschen sich vieles mittlerweile auch anhören mag, so muss man doch fragen, warum Trump nicht eine einfache Lehre aus Sunzis «Über die Kriegskunst» (Kap. 4) beherzigt hat, die da lautet:
«Daher gewinnt eine siegreiche Armee zuerst und sucht dann erst den Kampf; eine besiegte Armee zieht zuerst in den Kampf und strebt dann nach dem Sieg.»
Zwar gibt es in der iranischen Community noch immer Trump-Fans. Das sind durchaus keine Fanatiker, sondern häufig gescheite Leute, die Trump noch am ehesten – neben Israels Premier Netanjahu – zutrauen, das verhasste Mullahregime zu stürzen. Das ist rational gedacht und auch richtig, denn Deutschland und die EU werden die Islamische Republik nicht stürzen. Aber Trump sicherlich auch nicht.
Schlimmer noch: Insgesamt hat Trump den Machthabern in Teheran sogar drei Mal das Überleben gesichert: Am Ende seiner ersten Amtszeit, als er mit dem Regime einen Deal machen wollte; am Ende des Zwölf-Tage-Krieges 2025, als er den israelischen Premier Netanjahu davon abhielt, Irans Führer Khamenei zu töten und den Krieg weiterzuführen.
Und schliesslich nach dem März-Krieg dieses Jahres, als er die Ernennung von Mojtaba Khamenei zum neuen Führer als Zeichen eines Regimewechsels deutete. Dass Trump damit wieder nur Schwäche zeigte, veranlasste die Machthaber in Teheran zu Hohn und Spott und zu einer umso aggressiveren Aussen- wie Innenpolitik.
Was der Westen mehr denn je braucht, ist eine starke USA. Die aber wird es nicht mit Trump, sondern nur mit einem starken US-Präsidenten geben. Stark wird er sein, wenn er begreift, dass der Westen eine Wertegemeinschaft ist, deren Wohlstand die Freiheit zur Grundlage hat.
