Der Amerikaner Cofnas wurde einer breiteren Öffentlichkeit durch seine Befunde zum Fall des Soziologen Jason Arday bekannt; indem er ihm umfangreiche Plagiate nachgewiesen hat, brachte er dessen Rücktritt ins Rollen. Cofnas selbst ist derzeit wegen anderer Dinge Gegenstand einer disziplinarischen Untersuchung der Universität Gent in Belgien, an der er beschäftigt ist.

Man hat Cofnas Rassismus vorgeworfen. Der Vorwurf war vor allem deshaalb aufgekommen, weil Cofnas sich als Anhänger einer «Hereditaristische Revolution» bezeichnet, die nun in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rückt. Cofnas bezeichnet sich selbst als einen «Philosophen der Biologie» und hat eine «Anleitung» zu der von ihm benannten Revolution verfasst («A Guide for the Hereditarian Revolution»).

Die Ideologie hinter der Hereditaristischen Revolution besagt, dass es zum einen sinnvoll ist, Menschen in Rassen einzuteilen – aller Vermischungen zum Trotz –, und dass es Unterschiede zwischen ihnen gibt, die sich nicht aus der sozialen Stellung, sondern allein aus dem Erbgut erklären lassen, darunter Unterschiede in der Intelligenz. Wohlgemerkt: Dies bezieht sich auf Gruppen, nicht auf Individuen.

Das ist gleichwohl ein heikles Thema und Cofnas weist jede Einteilung von Menschen in höher- und minderwertige zurück. Er distanziert sich von jeglicher Pseudowissenschaft, wie die Nazis sie betrieben haben, wobei diese noch nicht einmal Anhänger des Darwinismus gewesen seien, was insofern richtig ist, als sie Darwins Lehre entstellten und missbrauchten.

Ein Befürworter der Rassentrennung

Cofnas, der Antisemitismus ebenso wie «weissen Nationalismus» ablehnt, geht es vor allem um zwei Dinge: Um die Abschaffung einer gezielten Förderung schwarzer und farbiger Menschen, sowie die Akzeptanz einer Gesellschaft, die sich anhand von Rassen selbst organisiert und damit auch segregiert. Cofnas nennt dies «Rassen-Realismus».

Genetisch bedingt hätten Schwarze fast ausschliesslich auf den Gebieten der Unterhaltung und des Sports Höchstleistungen bewiesen, weswegen Cofnas glaubt, dass Universitäten ohne Quoten für Minderheiten, wenn sie höhere Positionen wie Professuren allein nach Eignung besetzen, praktisch keine schwarzen Professoren mehr haben werden.

Dass der Mensch nicht nur ein Natur-, sondern auch auch Kulturwesen ist, spielt für Cofnas allenfalls eine untergeordnete Rolle. Daher gibt es für ihn auch keine zufriedenstellendere Erklärung für Leistungsunterschiede einzelner Gruppen als die Genetik, womit er sich vom linken «Wokeismus», der Behauptung eines systemischen und institutionellen Rassismus, maximal abzugrenzen sucht.

Tatsächlich haben wohl beide Unrecht. Denn gerade in den USA gibt es eine schwarze Subkultur, die Dinge wie Erfolg, Gesetzestreue oder Klavierspielen vielfach als Identitätsmarker der weissen Mehrheitsgesellschaft betrachtet und mehr oder minder ablehnt. Auch Vornamen wie Peter oder Margaret gelten als «weiss»; die eigenen Kinder erhalten Namen wir «Prince» oder «Aaliyah»,

Die amerikanischen Ökonomen Steven Leavitt und Stephen Dubner haben sich in ihrem Buch «Freakonomics» dieses Phänomens angenommen, dass sozialen Praktiken oft selbst dann weiterbestehen, wenn sie sich als für die Gruppe nachteilig herausgestellt haben. Das ist tragisch, weil es Schwarze vielfach davon abhält, Karriere zu machen, ohne dass es deshalb die Schuld der weissen Mehrheitsgesellschatt wäre.

Mit Rasse oder Genetik jedoch hat all das nichts zu tun. Cofnas mag sich verbal von einer Pseudowissenschaft der Nazis abgrenzen, seine eigenen Positionen sind jedoch kaum weniger pseudowissenschaftlich und letztlich antibürgerlich und antiaufklärerisch. Zwischen den Rassen will er sogar «einige Barrieren» errichten, damit jede Rasse ihr je eigenes Talent zum Asudruck bringen kann.

Vorbereitung auf den Rassenkampf

Warum aber sollen Barrieren errichtet werden, wenn Menschen, wie er glaubt, sich von allein entlang rassischer Grenzen organiseren? Wer legt zudem fest, welche und wieviele Barrieren es geben soll? Er selbst glaubt gar nicht daran, dass eine segregierte Gesellschaft konfliktfrei sein wird und hält es für angemessen, wenn Weisse, indem sie als Weise angegriffen werden, als Weisse zurückschlagen.

Zum Schluss macaht Cofnas noch eine Ansage, die doppeldeutig ist: So behauptet er, dass «Rasse und Rasseunterschiede» nichts darüber sagen, was unsere Werte und nach welcher Art von Gesellschaft wir streben sollen. Bedeutet das nun die Relativierung seiner eigenen Rassetheorie oder soll hier subtil mitgeteilt werden, dass in Sachen Demokratie noch längst nicht das letzte Wort gesprochen ist?

Der Verdacht lieegt nahe, dass Cofnas eine Art von Rassendiktatur vorschweb, ohne es explizit so zu benennen. So oder so ist, die ganze «Anleitung zur Hereditaristischen Revolution» ein einziger intellektueller und ethischer Abgrund und nur das seitenverkehrte Abbild des von Cofnas so verachteten Wokeismus: Beide Ideologien wollen letztlich nur die eine Ethnie vor den Zumutungen der anderen schützen.

(Abb. «“Cosmic Cliffs” Carina Nebula (NIRCam«/ CC0 1.0)