Kategorien
Ethik

Der Wert menschlichen Lebens

Wenn etwas die radikale Rechte mit der radikalen Linken verbindet, dann ist es die Empathielosigkeit für menschliches Leben, sei es in Israel, sei es in der Ukraine. Dennoch haben radikale Parteien derzeit Zulauf, nicht nur in Deutschland. Sie wollen uns glauben machen, Frieden sei der höchste menschliche Wert.

Dabei ist weder das Hamas- noch das Putin-Regime gegen Frieden. Sie wollen nur Frieden zu ihren Bedingungen. Der Krieg ist ihr Mittel. Die Hamas hat so das grösste Massaker an Juden seit dem Holocaust angerichtet und sich mit Putin als die grössten Kriegsverbrecher des 21. Jahrhunderts in die Geschichtsbücher eingeschrieben.

Heute auf den Tag genau ist es drei Jahre her, dass die Hamas ihren blutigen Angriff auf Israel namens «Al-Aksa-Flut» begann. Wer die Bestialität der Hamas begreifen will, muss lesen, was Chen Kugel, Israels oberster Forensiker, zu Protokoll gibt. Es sind verstörende Beschreibungen von menschlichem Leid.

Da wurden Menschen bei lebendigem Leib verbrannt und Kinder enthauptet; andere wurden verstümmelt, vergewaltigt, verschleppt. Überwiegend traf es israelische Juden, aber auch Angehörige anderer Nationen fanden sich unter den Opfern. Das waren keine Kollateralschäden, sondern Ziele.

Wer wissen will, wer in einem Konflikt der Gute und wer der Böse ist, braucht nur eine Antwort auf die Frage zu finden, welche Kriegspartei sich wenigstens bemüht, Zivilisten der Gegenseite zu verschonen – und welche sie vorsätzlich attackiert. Im Falle Israels und der Ukraine ist klar, auf wen letzteres zutrifft: Die Hamas und das Putin-Regime.

Wer wissen will, wer in einem Konflikt der Gute und wer der Böse ist, kann auch die Frage stellen, welche Kriegspartei ihre Kampfhandlungen einstellen muss, damit der Krieg endet. Wieder lautet die Antwort: Die Hamas und das Putin-Regime. Aber soviel moralische Klarheit bringen die radikalen Parteien in unserem Land nicht auf.

Wer die Verantwortung trägt

Welche Wahl hat Israel denn gehabt? Sicher, die Hamas wollte die Geiseln eintauschen, um Gesinnungsgenossen aus israelischen Gefängnisse freizupressen. Israel hätte dem nachkommen können, sich dann aber einer noch grösseren Front von Terroristen gegenüber gesehen.

Auch die Ukraine hätte nachgeben und einen Teil ihres Territoriums aufgeben können. Aber das hätte ihre Lage nur noch schlimmer und unsicherer gemacht, denn das Putin-Regime hat schon einmal, im Budapest-Memorandum, die Integrität der Ukraine bekräftigt, um sie dann doch nur mit Füssen zu treten.

Für Terroristen ist jedes Zugeständnis nur ein Zeichen von Schwäche und Ermutigung, noch härter, noch brutaler und noch unnachgiebiger zu agieren. Was viele, die den radikalen Parteien (AfD, BSW, Linkspartei) zuneigen, nicht verstehen wollen: Auch die Zerstörungen in ihrem eigenen Land haben die Terroristen zu verantworten.

Die Zerstörungen im Gazastreifen gehen auf das Konto der Hamas, die Israel angegriffen und dabei Zivilisten und zivile Infrastruktur als Schutzschilder genutzt hat. Ebenso ist das Putin-Regime verantwortlich dafür, wenn im eigenen Land die Infrastruktur des Krieges von dem Land angegriffen wird, das man selbst angegriffen hat.

Diese Lektion muss endlich begriffen werden. Unsere Unterstützung für Israel und die Ukraine darf nicht nachlassen und das heisst: Diese Länder verdienen, dass wir sie mit allen verfügbaren und notwendigen Waffen beliefern, die sie zu ihrem Schutz brauchen. Denn der höchste Wert ist nicht Frieden. Der höchste Wert ist das menschliche Leben.

Von Michael Kreutz

Sprach-, Literatur- und Politikwissenschaftler, Autor und Journalist.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Translate »