Natürlich wird es jetzt von mancher Seite heissen, das sei Propaganda. Aber die Erwiderung auf den Dokumentarfilm NAZA musste schon deshalb sein, weil die Macher von NAZA ihre journalistische Sorgfaltspflicht vernachlässigt haben, als sie einen Film drehten, der sich gegen die israelische Armee richtete, ohne dieser eine Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.
Unter dem verwirrenden, weil mit dem Film, gegen den er sich wendet, leicht zu verwechselnden Titel namens NAZA: The Real Story kommen Kommandeure der israelischen Armee zu Wort, die ihre Sicht der Dinge schildern. Der Film untermauert diese Sicht durch entsprechendes Videomaterial.
Schon zuvor hatte die israelische Armee (IDF) in NAZA erhobene Behauptungen zurückgewiesen, dass sie im Gazastreifen und in Libanon grosse Zahlen von zivilen Opfern in Kauf genommen oder die Entscheidung über gezielte Tötungen einer KI überlassen hätten und dergleichen mehr.
Zudem stellt sich die grundsätzliche Frage, wie man gegen eine Terrororganisation vorgehen soll, die nicht nur keine Hemmungen hat, auf israelischer Seite gezielt Zivilisten anzugreifen, zu quälen, zu entführen und zu töten, sondern sich auch auf eigenem Gebiet mit Zivilisten umgibt und aus ziviler Infrastruktur heraus operiert.
Wenn die Grenze zwischen Zivilisten und Terroristen verschwimmt
NAZA: The Real Story versucht demgegenüber deutlich zu machen, wie schwierig es ist, aus einer Menge von Zivilisten heraus die Terroristen unter ihnen ausfindig zu machen. Um Zivilisten zu schonen, so der Film, ist daher in jeder Phase jeder israelische Operation ein komplexer Entscheidungsapparat involviert.
Dieser umfasst militärische wie juristische Entscheider, damit Fehlentscheidungen minimiert und Willkürhandlungen einzelner Truppenteile möglichst ausgeschlossen werden. Allerdings nutzt die Hamas, wie der Film zeigt, Zivilisten, um für sie israelische Truppenbewegungen auszuspähen, sodass die Grenze zwischen Zivilisten und Terroristen verschwimmt.
So zeigt eine Aufnahme der israelischen Armee im Film eine auf den ersten Blick gewöhnliche Wohnung mit Wohn- und Kinderzimmer, doch führt in letzterem eine Wendeltruppe nach unten in das weitverzweigte Tunnelsystem der Hamas. Damit wird klar, dass die scheinbar gewöhnliche Wohnung in Wahrheit eine Basis der Terroristen war, auch wenn dort Zivilisten gewohnt haben mögen.
Kommen in NAZA hauptsächlich Soldaten von niederem Rang zu Wort, so sind es in NAZA: The Real Story nicht zuletzt solche Soldaten, die am Entscheidungsprozess von Tötungen beteiligt waren und eine bessere Kenntnis der entsprechenden Abläufe in der israelischen Armee besitzen. In NAZA: The Real Story erfährt man aber auch, wie skrupellos demgegenüber die Hamas vorging.
Die roten Linien der Armee austesten
So soll die Hamas Menschen, die von der israelischen Armee zur Evakuierung bestimmt waren, damit sie nicht unter Beschuss geraten, mit Waffengewalt daran gehindert haben, Operationsgebiete der israelischen Armee zu verlassen. Zugleich soll die Hamas praktisch jede Moschee und jeden Kindergarten als Waffendepots missbraucht haben.
Denn die Hamas weiss um die Zurückhaltung der israelischen Armee, wenn es um Zivilisten und zivile Infrastruktur geht. Während die israelische Armee an solchen Orten im Gazastreifen mit besonderer Umsicht vorging, nutzte die Hamas dies schamlos aus, deren Angehörige ihrerseits während des gesamten Kriegs keine Uniform getragen haben.
Damit waren sie als Kämpfer niemals per Augenschein zu identifizieren gewesen, während die israelischen Soldaten in ihren Uniformen leichte Ziele abgaben. So sagt ein Offizier in NAZA: The Real Story, dass die Armee in vielen Gebieten daher versucht hat, Zivilisten auf Abstand zu halten, es aber normal war, dass ein oder zwei sich nicht daran gehalten haben.
Sie sind auf die israelischen Soldaten zugegangen, wobei das blosse Näherkommen trotz Verbot bereits eine Provokation war, die die Armee vor eine schwierige Entscheidung stellte. Wie soll man in so einer Situation handeln? Soll man schiessen? Schiesst man nicht, kann das ein tödlicher Fehler sein, wenn solche Zivilisten sich als Terroristen herausstellen.
Derselbe Offizier sagt in NAZA: The Real Story, dass man später Erkenntnisse gewonnen habe, wonach solche Grenzüberschreitungen immer von der Hamas geplant waren, um nämlich die roten Linien der israelischen Armee auszutesten. Wer auch die andere, die israelische Seite der Geschichte über den Krieg im Gazastreifen anzuhören bereit ist, sollte sich unbedingt NAZA: The Real Story anschauen.
