Tulsi Gabbard ist eine schillernde Persönlichkeit, um nicht zu sagen: Ein Irrwisch. Die heutige Geheimdienstkoordinatorin der USA war noch bis vor vier Jahren Mitglied der Demokratischen Partei, bevor sie die Seiten wechselte und Anhänger von Präsident Trump wurde. Gabbard, die seit langem eine Antikriegsrhetorik pflegt, wird oft vorgeworfen, russische Propaganda zu verbreiten.
Doch bevor sie Ende des Monats auf eigenen Wunsch aus ihrem Amt ausscheidet, zündet sie noch einmal eine Bombe: So bestätigt sie aktuell eine vom Kreml oft vorgebrachte Behauptung, die USA finanzierte in der Ukraine Biolabore, in denen Biowaffen entwickelt würden. Ihre Aussage begründet sie mit dahin unter Verschluss gehaltenen Dokumenten.
Sofort sprangen prorussische Influencer wie der Norweger Glenn Diesen darauf an. Wenn selbst die Geheimdienstkoordinatorin der USA zugibt, dass ihr Land Biolabore in der Ukraine unterhält, wer wollte ihr da noch widersprechen? Doch Gabbard ist unglaubwürdig – und das aus zwei einfachen Gründen.
Zum einen sind Biolabore, in denen u.a. für die Landwirtschaft geforscht wird, nicht gleichbedeutend mit Biowaffenlaboren, die zu militärischen Zwecken ihre Forschung betreiben. Dass in den von Gabbard genannten Laboren Biowaffen entwickelt würden, dafür nennt sie denn auch keinen Beleg.
Vor allem aber ist die Karte der Ukraine mit den angegebenen Standorten von Biolaboren ein schlechter Witz:

Die Hauptstadt Kyiv ist etwa 250 km zu weit im Süden eingezeichnet.
Südlich von Lviv wird eine Stadt namens «Cherniv» genannt, die jedoch nicht existiert. Vielleicht ist Chernihiv gemeint, das sich jedoch mehr als fünfhundert Kilometer weiter östlich befindet.
Im Osten ist eine Stadt namens «Dnipropetrovsk» eingezeichnet, die ebenfalls nicht existiert. «Dnipropetrovsk» ist der Name eines Verwaltungsbezirks (Oblast).
Auch Zakarpattia ist keine Stadt, sondern ein Verwaltungsbezirk.
Diese geographischen Fehler allein zeigen schon, dass hier nicht professionell gearbeitet wurde. Der Verdacht, der sich aufdrängt, ist einmal mehr, dass Gabbard eine zu grosse ideologische Nähe zu Russland hat, um für einen amerikanischen Regierungsposten dieses Ranges tragbar zu sein.
Denn warum sollten, selbst wenn die Angaben gestimmt hätten und die Biolabore in Wahrheit Biowaffenlabore wären, die USA ihre Unterstützung für die Waffenentwicklung in anderen Länder öffentlich machen? Warum sollten sich die USA dermassen ins eigene Fleisch schneiden?
Gabbard ist eine Belastung für die USA und für ihren Posten ungeeignet. Mögliche Verbindungen nach Russland sollte ein Untersuchungsausschuss klären. Doch all dies wird Russlandversteher nicht davon abhalten, Gabbards Äusserungen zu kolportieren. Der Schaden für den Westen ist in der Welt; den Kreml wird es freuen.
