Als Bürger kann man alles mögliche fordern, als Diplomat übt man die Kunst der Zurückhaltung. Dass Deutschland mit Iran Land diplomatische Beziehungen pflegt, ist kein Skandal. Schliesslich haben wir dort Interessen. Doch auch die Diplomatie hat Spielraum, den sie nutzen kann. Glückwunschtelegramme an ein Henkerregime sind jedenfalls kein Muss.
Schlagwort: Menschenrechte
Der «Welt»-Journalist Deniz Yücel frei und das Bangen und Warten hat glücklicherweise ein Ende – für ihn, seine Angehörigen, seine Freunde und Kollegen. Der Vorwurf der Terrorunterstützung, wie er von türkischer Seite erhoben wurde, war und ist absurd und die Inhaftierung eines Journalisten über ein Jahr hinweg, ohne Anklage zu erheben, jenseits aller Rechtsstaatlichkeit. Befremdlich aber bleibt, wie Yücel hierzulande als Volksheld gehandelt wird. Dazu gibt Yücels eigenes, wenig professionelles Verhalten keinen Anlass.
Die Menschen vs. das Regime
Man muss sich schämen. Schämen über die schlappe Reaktion des Auswärtigen Amtes auf die Proteste, die schon seit Tagen den ganzen Iran im Griff haben. Was also sagt Aussenminister Gabriel? Man möge doch bitte „allseits von gewaltsamen Handlungen Abstand‟ nehmen, als ob die Demonstranten gleichermassen Gewalt anwenden würden wie es seit Jahrzehnten die Staatsmacht eines der repressivsten Länder auf diesem Planeten tut, die ihnen gegenübersteht.
Von aussen kommt der „International Congress for Democracy and Freedom“ wie ein schmuckes Kästchen daher, auf dem in goldenen Lettern „progressiv“ geschrieben steht. Im Inneren findet sich jedoch nur der altbekannte, unverdauliche Klumpatsch aus Weltschmerz, Ökohysterie und Ressentiment.
Aleppo und die Logik des Krieges
Der Westen, hört man dieser Tage immer wieder, habe in Aleppo versagt. Hätte der Weste Assad nur rechtzeitig gestürzt, dann gäbe es jetzt nicht über 400.000 Tote und läge Aleppo nicht in Trümmern. Wer trägt dafür die Verantwortung?
Warum ein Burkini-Verbot falsch wäre
Grosse Aufregung um einen Badeanzug: Der Burkini soll verboten werden, fordern manche auch in Deutschland. Doch welches Rechtsgut soll hier geschützt werden? Das Recht auf Leben, auf Eigentum auf Sicherheit? Was die Sicherheit anbetrifft, so geht vom Burkini keine unmittelbare Gefahr aus. Es wird auch niemand ernsthaft behaupten können, dass der Burkini bedrohlich wirkt.
Extremismus als Normalzustand
Wer ist schuld, wenn die Flüsse austrocknen? – Die Frauen, sagt der Freitagsprediger von Isfahan, Sayyed Yusuf Tabatabai-Nezhad. Und zwar solche, die sich in der Öffentlichkeit fotografieren. Hintergrund dieser Hetze ist wieder einmal der sog. «bad-hedschab», der schlechte Hedschab. So nennt die Islamische Republik jedes Anzeichen einer weiblichen Haarsträhne in der Öffentlichkeit.
Genozid und Staatsräson
In Deutschland herrsche eine „repressive Atmosphäre“ in Bezug auf die Ereignisse von 1915, liest man in einer Stellungnahme der türkischen Botschaft anlässlich der Entschliessung des deutschen Parlaments, in diesem Zusammenhang von einem Völkermord an den Armeniern zu sprechen. Das ist reichlich grotesk, insofern als in der Türkei selbst gar keine Pressefreiheit herrscht.
Wer hinter den Säureattacken steckt
Die Säureattacken auf mindestens vierzehn Frauen in der iranischen Stadt Isfahan hat weltweit Empörung ausgelöst, auch im Iran selbst. Vor kurzem erst wurde bekannt, dass wohl eine radikale Gruppe namens Ansar-e Hojjat die Verantwortung für die Säureattacken trägt.
Mitteilungen aus Kilis (20)
Von Muhammad H.
Die syrische Revolution dauert an, nunmehr auf bewaffnete Weise. Die syrische Arena wimmelt nur so von merkwürdigen und verdächtigen Interessenüberlagerungen. Das seltsamste ist der Egoismus mancher Rebellen – solcher, die womöglich andere Ziele haben als Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit.
