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Die Amerikaner wenden sich von Israel ab

Präsident Trump ist eine Gefahr für die Demokratie; bei den sogenannten Midterms konnte er zwar nicht abgewählt werden, seine Partei, die Republikanische, hat jedoch von den Wählern auf breiter Linie einen Schuss vor der Bug bekommen. Eigentlich eine gute Nachricht – doch nicht für Israel.

Mit bemerkenswerter Offenheit hat Vizepräsident Vance neben dem Krieg gegen die Islamische Republik das Verhältnis seiner Regierung zu Israel als Grund für die Wahlniederlage der Republikaner bezeichnet. Mit ebenso bemerkenswerter Geschwindigkeit hat sein Chef Donald Trump die Einstellung der Militärhilfe an Israel zum Jahresende verkündet.

Trump begründet dies mit einer angeblichen Abmachung, die er vor Monaten mit Israels Premier Netanjahu getroffen haben will, was offenbar nicht den Tatsachen entspricht, denn die Zusage, Militärhilfe zu leisten, galt eigentlich bis Ende 2028. Doch dieser Vorgang zeigt nicht nur einmal mehr Trumps Verhältnis zur Wahrheit, sondern ebenso seinen Opportunismus.

Kein Hass auf Israel, aber wenig Sympathie

Kaum wendet sich die öffentliche Meinung in Amerika gegen Israel, lässt Trump dieses fallen wie eine heisse Kartoffel – auch wenn er beteuert, dass er den jüdischen Staat nach wie vor als grossartigen Verbündeten betrachte. In Israel wusste, vielleicht mit Ausnahme von Premier Netanjahu, niemand etwas davon. Dort schlug die Nachricht ein wie eine Bombe.

Tatsächlich lässt sich schon seit einiger Zeit beobachten, wie sich die amerikanische Freundschaft gegenüber Israel merklich abkühlt, wie das «Chicago Council on Global Affairs» ermittelte. Gegenüber Israelis und Palästinenser gehen die meisten Amerikaner mittlerweile auf Äquidistanz.

Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass die Militärhilfe für Israel zurückgefahren oder ganz eingestellt werden sollte. Das stellt einen Tiefpunkt des israelischen Ansehens in der amerikanischen Öffentlichkeit dar. Besonders gross ist das Hadern mit dem jüdischen Staat unter den Anhängern der Demokratischen Partei.

Das grösste Ansehen geniesst Israel immer noch in Trumps MAGA-Bewegung, die aber bekanntlich distanziert zu Europa steht und umso begieriger darauf ist, ausgerechnet mit Russland Geschäfte zu machen. MAGA mag sich von «Make America Great Again» ableiten, steht aber letztlich für Populismus, Autoritarismus und Anti-Interventionismus.

Auf der anderen Seite, bei der Demokratischen Partei nämlich, ist mit Abdul El-Sayed aus Michigan ein Mann in den Senat gewählt worden, der mit antiisraelischer Rhetorik punkten konnte. El-Sayed steht aussenpolitisch für einen Anti-Interventionismus, den er mit Trump teilt, wenngleich er ihn das Gewand linker Fortschrittlichkeit kleidet.

Vielleicht ist das Chance für Europa, stärker mit Israel zu kooperieren, nachdem die USA unter Trump schon im Krieg Russlands gegen die Ukraine die Europäer weitgehend allein gelassen haben. Freilich ist Europa gespalten; Deutschland und Griechenland dürften noch am engsten mit Israel kooperieren, Irland und Spanien am geringsten.

Auf wen kann Israel zählen?

Es sieht nicht gut aus für Israel. Die Gefahr durch die Islamische Republik und dessen Stellvertreter ist noch nicht gebannt. Der nächste Krieg ist daher wohl nur eine Frage der Zeit und Israel wird einmal mehr präventiv agieren müssen, um seine Existenz zu behaupten. Fragt sich, auf welche Verbündete es dabei wird zählen können.

Es scheint wie ein später Triumph der Feinde Israels: Der kleine jüdische Staat im Nahen Osten wurde an sieben Fronten angegriffen – einmalig auf der Welt –, verteidigte sich tapfer und beging zwar den Fehler, zu lange im Gazastreifen zu bleiben, zeigte sich aber nicht nur in den Abraham Accords bereit zum Frieden und zur Kooperation mit seinen Nachbarn.

Und dennoch verliert es im Westen massiv an Rückhalt. Viele Kommentatoren und Analysten schreiben dies dem israelischen Premier Netanjahu zu, doch hätten sich auch andere israelische Regierungen militärisch gegen Angriffe von aussen zur Wehr gesetzt. Wie es mit Israel weitergeht, ist daher auch eine Frage, wie es mit dem Westen weitergeht.

Von Michael Kreutz

Sprach-, Literatur- und Politikwissenschaftler, Autor und Journalist.

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