Über die Armenien-Entschliessung des Bundestages mag man denken, was man will. Wir haben gute Gründe genannt, ihr gegenüber skeptisch zu sein. Dass deutsch-türkische Parlamentarier durch die Türkei unter Druck gesetzt werden, sollte aber niemanden kalt lassen.
Autor: Michael Kreutz
Dr. phil., Orientalist, Neogräzist, Politikanalyst, Buchautor und Journalist.
Ein Friedensaktivist hat eine tolle Idee, wie man im Nahen Osten Frieden schaffen kann.
Was die AfD nicht versteht
Der Islam „mit seinen wesentlichen Rechtstheorien …“ sei „mit der Demokratie, mit dem Grundgesetz nicht vereinbar“, findet die AfD-Vorsitzende Frauke Petry und verleiht damit einer Haltung Audsruck, die in rechtskonservativen Kreisen weitverbreitet ist. Was sich hier widerspiegelt, ist zwar keine antidemokratische Gesinnung, die Äusserung von Petry macht aber deutlich, dass man in der AfD gar nicht verstanden hat, wie eine liberale Demokratie in Bezug auf Religion funktioniert.
Genozid und Staatsräson
In Deutschland herrsche eine „repressive Atmosphäre“ in Bezug auf die Ereignisse von 1915, liest man in einer Stellungnahme der türkischen Botschaft anlässlich der Entschliessung des deutschen Parlaments, in diesem Zusammenhang von einem Völkermord an den Armeniern zu sprechen. Das ist reichlich grotesk, insofern als in der Türkei selbst gar keine Pressefreiheit herrscht.
Das Verhältnis von Religion und Politik und beider Verhältnis zur Moderne ist nicht zuletzt durch die steigende Sichtbarkeit des Islam in den westlichen Ländern verstärkt Gegenstand einer Debatte geworden, die ganz unterschiedliche Aspekte berührt und neu aufrollt. Individualismus, Pluralismus, innerweltliche Askese und Diesseitsbejahung, Säkularismus und Rechtsstaatlichkeit stehen hierbei im Mittelpunkt. In meinem neuen Buch zeichne ich die Entstehung dieser Elemente nach und widme mich der Frage, warum sie in der islamischen, z.T. auch in der christlich-orthodoxen Welt nicht oder in nicht vergleichbarem Masse realisiert worden sind wie dies im Westen der Fall war.
Lügen zu Pflugscharen
Es ist schon bemerkenswert, wie gering das deutsche Echo auf die PR-Strategie der Regierung Obama ist, die amerikanische und die Weltöffentlichkeit für das Atomabkommen mit den USA zu begeistern – bemerkenswert auch deshalb, weil eine ähnliche Vorgehensweise durch konservative Vorgängerregierungen hierzulande für massive Entrüstung gesorgt hat. Aber da ging es noch um Bush.
Völkisches Brodeln
Als ich vor vielen Jahren einmal Stipendiat des Staates Israel war, wurde ich mit den anderen Stipendiaten vom Aussenministerium in Jerusalem eingeladen. Dort erhielten wir als Willkommensgeschenk u.a. eine Broschüre mit Fragen und Antworten rund um das Thema Israel, in der es auch ein Lemma «Holocaust» gab. Was ich dort las (ich habe die Broschüre heute noch), verblüffte mich.
Erstaunliches erfährt man dieser Tage aus einem Interview mit einem deutschen Arabisten. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, auch, weil die hier zum Ausdruck kommende Denkweise typisch für nicht wenige Vertreter des Faches ist. Es geht, wieder einmal, um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört. Gewiss, man wird dieser Debatte irgendwann überdrüssig, scheint sie doch zu nichts zu führen.
Der linke Antiökonomismus
Nun gehen sie wieder auf die Strasse, die linken Kapitalismusverächter, gegen TTIP, natürlich. Dass es die Marktwirtschaft ist, der Deutschland ganz wesentlich seinen Wohlstand verdankt und dass TTIP von der Politik vorangetrieben wird, weil es deutsche und europäische Interessen bedient, wird ausgeblendet. Nicht Kritik an Teilen von TTIP wird geübt, sondern am Freihandelsabkommen als solchem, ganz so, als würden nur andere profitieren, nur die USA, nur die Konzerne, nur das Kapital, nicht wir.
Was BDS mit Antisemitismus zu tun hat
BDS steht für «Boycot, Divestment and Sanctions» und ist nach Ansicht seiner Befürworter das aktuell heiss gehandelte Mittel gegen die israelische Besatzung wo auch immer. Was ist daran nicht nur falsch, sondern so verwerflich, dass Kritiker es mit Antisemitismus in Verbindung bringen?
