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Ideengeschichte

Ist das jüdisch-christliche Abendland eine Fiktion?

Das jüdisch-christliche Abendland ist ein Topos, zu dem Rechtskonservative gerne Zuflucht nehmen, wenn es darum geht, dem Islam seine Zugehörigkeit zu Europa abzusprechen, was dann aus dem linken Teil des politischen Spektrums gerne mit dem Argument gekontert wird, dass das christlich-jüdische Abendland erstens eine Fiktion und zweitens eine Frechheit sei, wo doch der christliche Teil des Abendlands eine lange Geschichte der Verfolgung am jüdischen Teil vorzuweisen habe. Meist sind dann auch noch aus der politischen Mitte heraus Wortmeldungen zu vernehmen, wonach das Abendland nicht nur Christentum und Judentum, sondern ebenso sehr dem Islam seine Existenz verdanke.

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Türkei

Die Hagia Sophia wird zur Moschee – und der Kemalismus endgültig Geschichte

Es war Atatürk, der die Hagia Sophia schliesslich in ein Museum umwandelte und damit alle Ansprüche von christlicher wie von muslimischer Seite zunichte machte. Damit war ein Kompromiss gefunden, mit dem beide Religionsgemeinschaften leben konnten. Ich habe das Ringen um die Zukunft der Hagia Sophia anhand unveröffentlichter Dokumente in meinem Buch Das Ende des levantinischen Zeitalters (2013) nachgezeichnet.

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Ideengeschichte

Zwischen Religion und Politik VI – Zur Theorie der Ambiguitätstoleranz

Die Moderne nicht vollständig realisiert zu haben, ist vor allem der Islamischen Welt nachgesagt worden. Einspruch kommt von dem Arabisten Thomas Bauer, der jene zumindest in historischer Perspektive für weitaus fortschrittlicher hält, als der heutige Zustand vermuten lässt. Sein zentrales Kriterium für dieses Urteil ist die „Ambiguitätstoleranz‟, die in der Islamischen Welt über Jahrhunderte in ungleich höherem Masse gepflegt worden sein soll als im Westen.

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Ideengeschichte

Zwischen Religion und Politik IV – Die Philosophie der Aufklärung

Der früheste bekannte Beleg des Begriffes modernus findet sich in den Epistolae pontificum des Gelasius (gest. 496), der damit die Dekrete des Konzils von Chalkedon gegenüber älteren Regularien abgrenzt. Wie Hans Ulrich Gumbrecht gezeigt hat, war dem Substantiv modernitas im 11. Jahrhundert zunächst eine abwertende Konnotation zu eigen, insofern als es mit der Abkehr von den überlieferten Werten in Verbindung gebracht wurde.

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Ideengeschichte

Zwischen Religion und Politik III – Wahrheit und Gewalt

Sprechen wir über die kulturellen Voraussetzungen historischer Errungenschaften wie die Menschenrechte, dann schliesst das die Frage ein, wie es um die religiösen Ressourcen bestellt ist, aus denen heraus sie selbst und damit eine Koexistenz mit anderen Glaubensformen begründet werden kann. Immer wieder sind Religionen, in deren Namen Menschen unterdrückt und verfolgt wurden, zuweilen selbst Gegenstand von Unterdrückung und Verfolgung geworden, was oft selbst dann noch in der kollektiven Erinnerung nachhallt, wenn die Glaubensgemeinschaft schon längst aus ihrer Minderheitenposition herausgetreten ist.

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Ideengeschichte

Zwischen Religion und Politik II – Religion und Imperium

Religionen tragen ein imperiales Erbe in sich, denn mit oder gegen ein Imperium sind sie grossgeworden. Die Herausbildung einer jüdischen, christlichen und muslimischen Zivilisation fand auf dem historischen Spielfeld von Imperien statt. Religionen haben haben dazu beigetragen, Imperien zu begründen und diese, jene zu verbreiten.

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Europa

Der Mythos vom andalusischen Paradies

Manche Mythen sterben nie, so der vom andalusischen Paradies unter islamischer Herrschaft. Die Spanier aber waren nicht nur Eroberte, sondern in Südamerika auch Eroberer, was heutzutage noch immer ganz unterschiedlich bewertet wird. Denn heute würde, schreibt Darío Fernández-Morera, kaum ein Wissenschaftler behaupten, dass die christlichen Europäer Südamerika oder die Briten Indien erleuchtet hätten, aber im Read More

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Religion

Mit apokryphen Texten zum gesellschaftlichen Frieden

In Paderborn, wie die „Welt am Sonntag‟ berichtet, ist kürzlich ein Projekt abgeschlossen worden, das sich den „koranischen Zugängen zu Jesus‟ widmete. Das könnte eine interessante Sache sein, aber skeptisch macht die Tatsache, dass ein solches Projekt gleich wieder ideologisch überformt werden muss, wonach die Forschungsergebnisse nichts weniger als „die Zukunft des gesellschaftlichen Friedens beeinflussen‟ könnten.

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Islam

Eine merkwürdige Preisrede

Manches an der Dankesrede von Navid Kermani anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels mutet doch recht merkwürdig an. Wenn der von ihm erwähnte Pater Jacques, der dem Kloster Mār Mūsā in der syrischen Wüste zugehört, seine Liebe zum Islam bekundet, dann entgeht Kermani hierbei der Kontext. Bei aller Wertschätzung für das Bemühen um Verständigung, das in diesem Kloster gepflegt wird, so muss man solche Äusserungen wie die von Pater Jacques doch vor allem als Ausdruck von Konfrmitätsdruck sehen, der schwer auf den islamischen Gesellschaften lastet.

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Naher Osten

Die Mär vom Trauma der Kreuzzüge

Mitte des 19. Jahrhunderts machte sich in Syrien ein Mann an die Aufgabe, ein Buch des Franzosen Joseph-François Michaud ins Arabische zu übersetzen. Das Buch handelt von den Kreuzzügen und zwar auf eine sehr apologetische Weise. Der Übersetzer aber hatte ein Problem: Im 19. Jahrhundert gab es noch kein arabisches Wort für «Kreuzzüge» und so musste er eines erfinden. Also prägte er den Begriff «ḥarb aṣ-ṣalīb», wörtlich «Kreuzeskrieg».

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