Der russische Präsident Vladimir Putin kann den Krieg ohne Gesichtsverlust nicht beenden, doch gewinnen kann er ihn auch nicht. Sein eigener Untergang scheint damit besiegelt. Die Frage ist, wie viel die Ukrainer bis dahin noch werden erleiden müssen und wie viele Russen noch als Kanonenfutter auf dem Schlachtfeld geopfert werden.
Denn Putin hat ein Problem, das er selbst geschaffen hat: Nachdem er am 24. Februar 2022 die Ukraine überfallen hatte, liess er acht Monate später, am 4. Oktober, durch ein Verfassungsgesetz die sogenannte „Volksrepublik Donezk“ in die Russische Föderation aufnehmen. Legitimation waren Referenden, die unter russischer Besatzung stattfanden und damit wertlos sind.
Indem die Zugehörigkeit der sogenannten „Volksrepublik Donezk“ seitdem Verfassungsrang geniesst, werden Täter und Opfer vertauscht, sodass die Ukraine als Besatzungsmacht erscheint und Russland sich russisches Territorium lediglich zurückhole. Dass dies absurd ist und mit internationalem Recht unvereinbar, liegt auf der Hand – aber nun kann Putin nicht mehr zurück.
Denn wieviele Soldaten sein Krieg auch immer kosten wird und die Wirtschaft unter ihm leiden mag, ein Rückzug russischer Truppen aus der Ukraine hiesse für Putin, gegen die Verfassung zu verstossen. Auch Zugeständnisse welcher Art auch immer sind damit für ihn ausgeschlossen. Zugleich wird deutlich, dass er den Krieg nicht gewinnen kann.
Denn die Ukraine greift mittlerweile die wirtschaftlichen Nervenpunkte Russlands an und wird dies mit europäischer Unterstützung auch weiterhin und mit vollem Recht tun. Die Folgen für Russlands Wirtschaft sind zunehmend desaströs und lassen sich auch nicht mehr hinter einer Nebelwand aus Propaganda verstecken.
Die ganze Welt hat die Rauchwolken am Himmel über St. Petersburg gesehen, als dort eine internationale Industriemesse abgehalten wurde und natürlich werden die ukrainischen Angriffe weitergehen und die ganze Verwundbarkeit des Aggressors aufzeigen. Sie werden für die Russen sicht- und spürbar sein, bis Putin für seine engsten Vertrauten zur Belastung wird.
Putin, von seiner absoluten Macht längst korrumpiert, wird nicht als der erste grössenwahnsinnige Staatenlenker in die Geschichte eingehen, der sich um den Preis der Zerstörung seines eigenen Landes an die Macht klammert, und auch er wird letztlich zum Spielball von Kräften werden, die er nicht mehr steuern kann.
