Zur Islamisierung des öffentlichen Lebens kommt nun die Koranisierung der Herzen: Weil es nach Ansicht des Religionsministeriums in den iranischen Provinzen zu wenige Hafezan, also Auswendigkönner des Koran gibt, denkt man nun an die Schaffung eines speziell dafür vorgesehenen Ministeriums. “So wie für Theater, Kino und Kulturvereine ein spezielles Budget vorgesehen ist”, findet Mohammad Ali Khaje-Piri, Direktor des Zentrums für die Entwicklung und Verbreitung koranischer Aktivitäten, “so muss für koranische Aktivitäten ein Extrabudget organisiert werden.”
Autor: Michael Kreutz
Dr. phil., Orientalist, Neogräzist, Politikanalyst, Buchautor und Journalist.
Türkei noch nicht reif für Europa?
Ist die Türkei reif für Europa?, fragte die Soziologin Friederike Wuermeling von der Universität Köln und fand heraus, dass zwei der EU-Grundprinzipien nicht unterstützt werden, zu denen Religionsfreiheit, Demokratie, Gleichberechtigung und Rechtsstaatlichkeit gehören. Damit unterscheidet sich die Türkei von fast allen anderen 25 EU-Staaten.
Im Irrgarten der Antiglobalisierer
Neues von der Ikone der Antiglobalisierungsbewegung, Naomi Klein: In einem Beitrag für “The Nation” schlägt sie wieder gedankliche Kapriolen der besonderen Art. Diesmal geht es um die Anschläge von London. Wer jetzt erwartet, dass Frau Klein die tiefere Ursache in der Irak-Kampagne vermutet, wird enttäuscht. So originell ist sie doch, dass sie dem Leser eine ganz besondere Erklärung bietet. Schuld am islamistisch motivierten Terrorismus ist jetzt also der britische, resp. westliche, Rassismus:
Das säkulare Bildungssystem muss sich ändern”, findet Mahmud Ahmadi-Nejad vor einer Gruppe regimetreuer Studenten, denn 150 Jahre seien genug.[1] Seitdem nämlich sei das Bildungssystem unter den Einfluss säkularer und hochmütiger (estekbārī) Gedanken geraten. Ahmadi-Nejad fordert die Studenten auf, gegen “liberale und wirtschaftsliberale Ideen” aufzustehen. Wenn ein liberaler Hochschullehrer mit dem Gedankengut seiner Schüler nicht konform sei, dann gebe er diesen schlechtere Noten, glaubt er.
Ist Israel ein normaler Staat? Oder vielleicht eher ein Anachronismus? Eine Diskussion dieser Fragen scheint selbst anachronistisch und wenig erkenntnisversprechend. Aber solange Israel und die Juden für viele Zeitgenossen eine regelrechte Obsession sind, werden diese Fragen immer und immer wieder aufgeworfen und verlangen nach Antwort.
Europas Achillesferse
Mit dem angestrebten EU-Beitritt der Türkei kommt die europäische Seite häufig auf die mangelhafte Beachtung der Menschenrechte zu sprechen. Dabei ist in Europa auch nicht alles zum besten bestellt, und ich meine nicht etwa Weissrussland. Die Rede ist vielmehr von der EU selbst, deren Mitglied Griechenland leider immer noch vermissen lässt, was andererseits von der Türkei ganz selbstverständlich erwartet wird.
Was an Amos Oz ist eigentlich links? In der heutigen FAZ weist der israelische Schriftsteller und Friedensaktivist auf die entschiedene Haltung der Friedensbewegung hin, “dass die Beendigung der Besetzung der Beginn des Friedens sein muss.” Während in Europa unter den Linken die Meinung vorherrscht, dass eine Hamas in der Regierung moderater sein wird als eine Hamas in der Opposition, gibt sich die israelische Friedensbewegung keiner Illusion hin.
Kultureller Fortschritt
Wenn das so weitergeht, dann bricht auch in Saudi-Arabien noch die Moderne aus. Aber bis dahin ist’s ein langer Weg. Nun wurde in Saudi-Arabien mehr als hundertzehn Jahre nach Inbetriebnahme des ersten Kinos in Paris 1895 der erste Kinofilm des Landes gedreht.
Noch eine Karikatur, noch ein Tabubruch
Ein Novum in der Islamischen Republik: Die iranische Zeitung Etemad hat es gewagt, eine Karikatur des Präsidenten Ahmadi-Nejad zu veröffentlichen. Auch wenn die Darstellung an Harmlosigkeit nicht zu überbieten ist, so war dieses Ereignis der in London erscheinenden “Kayhan“, dem wichtigsten persischsprachigen Organ der iranischen Opposition im Ausland, eine Meldung auf der Titelseite wert.
Katzav in Athen
Der israelische Staatspräsident Moshe Katzav ist heute in Athen vom griechischen Verteidigungsminister Petros Molybiatis empfangen worden. Was daran bemerkenswert ist? Seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen beider Länder 1990 ist dies der erste Besuch eines israelischen Staatspräsidenten in Hellas.
