Dem Westen gilt der Iran als “Schurkenstaat” – doch die Iraner sehen sich als Erben eines toleranten historischen Großreichs” meint die Redaktion der deutschen Ausgabe des “National Geographic” und will offenbar suggerieren: Der Iran kann kein Schurkenstaat sein.
Autor: Michael Kreutz
Sprach-, Literatur- und Politikwissenschaftler, Autor und Journalist.
Die muslimische Welt verweigert sich der Globalisierung” urteilte der Politikwissenschaftler Peter Pawelka noch vor zwei Jahren. Wenn dieser Satz jemals seine Richtigkeit hatte, so gilt er jedenfalls heute nicht mehr. Denn zumindest die Einstellung der Bevölkerung in der Islamischen Welt weist auf das Gegenteil hin, so WorldPublicOpinion.org:
Ministerium zur Erwartung des Mahdi
Seit der Erfindung des “Ministry of Silly Walks” durch die Monty Pythons hat es eine solche Idee nicht mehr gegeben: Ein Kleriker aus dem iranischen Qom plädiert für die Errichtung eines “Ministeriums zur Erwartung des Mahdi”, was wohl die logische Konsequenz aus dem Geniestreich einer anderen Geistesgrösse ist, die die Gründung eines Koranministeriums vorgeschlagen hatte.
Eine besondere Mission hat der Volker Perthes vom Berliner SWP. Der Westen solle endlich den Mut finden, einen Dialog mit den Islamisten zu führen, fordert er. Mit gemässigten Islamisten, natürlich. Und man scheint ihn erhört zu haben:
Muhammad und der Feminismus
War Muhammad ein Feminist? Nicht wenige Reformer in der Islamischen Welt sagen Ja. Immerhin hat der Prophet des Islam die Stellung der Frau in der Gesellschaft verbessert. Und war er ein Sozialist? Auch diese Frage beantworten viele positiv. Ein Demokrat? Ja, sicher, meinen andere.
Vernichtung Israels: Prinzip der Revolution
Unerschöpflich ist die Interpretationsgabe westlicher Nahosterklärer, die von Vertretern der Islamischen Republik zuweilen in unverblümter Rede vorgetragenen Wünsche einer Vernichtung des jüdischen Staates mit einer solchen Hingabe schönzureden und umzuinterpretieren, dass man fast Mitleid mit dem Regime in Teheran bekommen möchte. Es ist zwar leicht, ein böser Bube zu sein, aber manchmal eben schwer, sich einen entsprechend schlechten Ruf einzuhandeln.
Diktator wider Willen
Um das eigene Weltbild aufrechterhalten und die Angst vor der Freiheit vor sich rechtfertigen zu können, werden die Ausgeburten von Sozialismus und Kollektivismus gerne der Marktwirtschaft oder stellvertretend den USA angehängt, die, solchermassen stigmatisiert, dann wieder als Argument benutzt werden, um den Sozialismus umso entschiedener fordern zu können.
No thinko
Wer Globalisierung sagt, redet also von einem dynamisierten und komfort-animierten artifiziellen Kontinent im Weltmeer der Armut, wenngleich die dominierende affirmative Rhetorik gern den Anschein erweckt, das Weltsystem sei seinem Wesen nach all-inklusiv verfaßt” schrieb einmal der Philosoph Peter Sloterdijk, womit er ein prächtiges Beispiel für die in seinem Milieu herrschende Vorverurteilung des Marktes abgibt. Zahlen, Daten, Fakten – das haben wir ja alles gar nicht nötig.
Kulturrevolution schreitet voran
Zur Islamisierung des öffentlichen Lebens kommt nun die Koranisierung der Herzen: Weil es nach Ansicht des Religionsministeriums in den iranischen Provinzen zu wenige Hafezan, also Auswendigkönner des Koran gibt, denkt man nun an die Schaffung eines speziell dafür vorgesehenen Ministeriums. “So wie für Theater, Kino und Kulturvereine ein spezielles Budget vorgesehen ist”, findet Mohammad Ali Khaje-Piri, Direktor des Zentrums für die Entwicklung und Verbreitung koranischer Aktivitäten, “so muss für koranische Aktivitäten ein Extrabudget organisiert werden.”
Türkei noch nicht reif für Europa?
Ist die Türkei reif für Europa?, fragte die Soziologin Friederike Wuermeling von der Universität Köln und fand heraus, dass zwei der EU-Grundprinzipien nicht unterstützt werden, zu denen Religionsfreiheit, Demokratie, Gleichberechtigung und Rechtsstaatlichkeit gehören. Damit unterscheidet sich die Türkei von fast allen anderen 25 EU-Staaten.
